Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1875
- Date
- 1875-01-01
- Page
- – (sequence 88)
- Language
- German
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190 als zu milde zu sein, so ganz besonders diesen Schriften gegenüber. Denn offen zeigen sich die schlimmen äusseren Einflüsse, welche liier eine gesunde Entwickelung hemmten. — Das gesammte Schriftthum des jüdischen Hellenismus ist aus dem Bestreben hervorgegangen. Fremdes und Einheimisches, Heidenthum und Judenthum, griechische und althebräische Formen, Lehren und Anschauungen in Einklang zu bringen. Welcher Art war die Anregung, welche die Geschieht- Schreibung von den Griechen empfing? Nicht in der Fülle alter Herrlichkeit erschiendas geistige Leben des Griechenvolks dem Orient, als er hellenische Bildung in sich aufnahm• als Manetho und Berossos die Geschichte ihres Volkes schrieben, Demetrios seine Chronik entwarf, und Dichter wie Ezekielos und Theodotos die Bibel in das Gewand des griechischen Dramas und Epos hüllten. In dieser Zeit war die geistige Kraft der Griechen in raschem Niedergang begriffen-, nur die Gelehrsamkeit blühte; auf allen übrigen Gebieten der Litteratur und Kunst empfing der Orient die letzten Strahlen der Sonne, die über Griechenland unterging. Auch die Geschieht- Schreibung war tief gesunken. Es wäre unbillig, leugnen zu wollen, dass es auch in alexandrinischer Zeit bedeutende Historiker gegeben hat, und den hohen Werth von. Studien zu verkennen, die zum ersten Male das All der Natur und der geschichtlichen Thatsaclien zugleich zu umfassen strebten. Aber es ist doch unbestreitbar, dass die Leistungen Eratosthenes’, des bahnbrechenden Chronologen, Polemon’s, des zuverlässigsten Erforschers griechischer Alterthünier, Polybios’, des zweitgrössten aller hellenischen Geschichtschreiber, weitaus überwuchert wurden von den unendlichen litterärischen Er- Zeugnissen kleiner Geister; dass rhetorische Effecthascherei, romanhafte Mythendichtung, gehässige Scandalsuclit die Oberhand hatten. Vor dem Streben nach unterhaltender, ergötzlicher Darstellung, im Streite der Parteien und der Coterien, war der Sinn für geschiehtliehe Wahrheit fast verschwunden. Die ernste Geschichte war zur Fabulantin geworden, die persönlicher Eitelkeit oder politischen Tendenzen dienen musste, bei der man Belehrung und Erhebung nicht suchte und nicht fand. Nicht die Schlechtesten waren es, welche, wie Theopomp und eine Unzahl Anderer, die Geschichte der Völker missbrauchten, um in hohlem Wortschwall ihre Rhetorenkünste zu zeigen, oder, wie Alexander Polyhistor, die Früchte eines unverdrossenen Sammlerfleisses in zahllosen gelehrten, aber kunst- und