Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1875
- Date
- 1875-01-01
- Page
- – (sequence 87)
- Language
- German
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189 bleibsel der Geschichte des Berossos liinweisen, die zum grossen Theil durch Alexander’s und Eusebios’ Hand gegangen sind, ohne ihre hohe Bedeutung eingebtisst zu haben. Aber was diesen ihren Werth verleiht, ist der Umstand, dass die Quellen des Berossos fast gänzlich verschüttet sind, dass er allein uns eine ganze Litteratur ersetzen muss. Hätten wir das Unglück, aus unseren Fragmenten und nicht aus der 0ältesten, treuesten Urkunde des Menschengeschlechts* uns über die biblische Zeit Belehrung holen zu müssen: Demetrios, Aristeas und Eupolemos würden dicht neben Berossos ihre Stelle finden, und hoch über Thukydides stände an Wichtigkeit für die alte Geschichte Flavins Josephus. — Diese Erwägungen mögen das Urtheil des Richters mildern; ändern können sie es nicht. Wie viel auch Alexander an seinen Excerpten gesündigt haben mag, es ist doch unverkennbar, dass die ursprünglichen Schriften selbst entstanden sind auf dem Boden einer unfruchtbaren Zwitterbildung, einer inner־ lieh hohlen Deutungsweise, einer unschönen Geschmacksrieh tun g. Ja selbst das Schlimmste ist dieser Litteratur nicht erspart geblieben. Litterärische Falschmünzerei mischt sich ein und drückt zweien von diesen Fragmenten ihr Brandmal auf. Es ist leicht, über Bestrebungen und Leistungen dieser Art ein vernichtendes Urtheil zu sprechen, und es ist seit Hody oft und in den schärfsten Formen gesprochen worden. Man hat diese gesammte Schriftenreihe für unwerth der Beachtung erklärt. Man hat sie nicht zu erkennen und in ihren ge־ schichtlichen Bezügen zu würdigen versucht, sondern sie verspottet und verlacht. Die Erdichtungen eines Eupolemos, die Fabeleien eines Artapanos wurden als charakteristisch für die verwandte Litteratur erklärt, die Schriften des Demetrios und des echten Aristeas mit ihnen auf Eine Linie gestellt, und für alle IiTthümer und Fehler ward nicht der Geist der Zeit, der sie erzeugt hat, sondern der des jüdischen Volkes zur Rechenschaft gezogen. Vor Allen sind es neben einigen französischen Gelehrten Männer wie Valckenaer und Cobet, die in diesem Sinne ihre berühmten Abhandlungen über diese und ähnliche litterärische Erscheinungen geschrieben haben, und auch milder urtheilende deutsche Forscher haben sich von dem allgemeinen Zuge zu ungerechten Urtheilen hinreissen lassen. Aber wenn je eine Zeit und ihre Erzeugnisse aus ihr selbst beurtlieilt- und nicht mit fremdem Maassstabe gemessen sein will, so ist es die des jüdischen Hellenismus, und wenn man überall sich mehr hüten soll, zu strenge