Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1875
- Date
- 1875-01-01
- Page
- – (sequence 86)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2720904-2720963--085-2722881- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
188 sind und welcher Art sein Verhältnis zu ihnen. Sie hat uns zugleich über die älteren Schriften hinaus zu neuenBearbeitungen derselben geführt, welche die Lücke zwischen diesen und dem jüngsten uns erhaltenen jüdisch-hellenistischen Geschichtschreiber einigermäassen ausfüllen. In der That wäre es ja mehr als ein Wunder, wenn gerade in ältester Zeit sechs von gewiss weit zahlreicheren Schriftstellern dem Polyhistor den Stoff zu seiner Compilation geliefert hätten, während der folgende Zeitraum bis auf Justus von Tiberias und Flavius Josephus gänzlich arm an ähnlichen Bestrebungen gewesen wäre. Wenn wir Nichts von ihnen wissen, so ist der einzige Grund hierfür der, dass es an einem zweiten Polyhistor fehlte, der sie gesammelt und vor dem Untergange gerettet hätte. — Nach solchen Ergebnissen dürfen wir es mit Recht eine glückliche Fügung nennen, dass der Sturm, der die jüdisch-hellenistische Litteratur vernichtet, nicht auch diese Blätter in alle Winde verweht hat. Denn es ist bestätigt worden, was am Eingänge unserer Untersuchung ausgesprochen wurde, dass die verblichene Schrift dieser halbzerrissenen Blätter dem aufmerk־ samen Leser werthvolle Aufschlüsse über die Zeit, die sie geschrieben hat, zu geben vermöge. Aber freilich, auch das Urtheil hat bekräftigt werden müssen, das über sie an demselben Orte gefällt worden ist, dass ihr innerer Werth ein höchst geringer sei. Es ist keine Apologie und keine . Rettung hier versucht worden. Die Fehler sind rückhaltlos hervorgehoben worden, die diesen Bruchstücken und ihren Verfassern anhaften: die Kleinlichkeit der Einen, die Unwahrhaftig־ keit der Anderen, die glanzlose Haltung, die nüchterne, incorrecte Sprache Aller. Nur Einer war unter diesen Schriftstellern, dessen ehrliche, besonnene Forschung uns Achtung abgewinnen konnte; keiner von allen durfte ein wahrer Geschichtschreiber genannt werden. Es ist möglich, ja wahrscheinlich, dass die von Alexander zerrissenen Originalschriften einst viel werthvoller waren, als die heute erhaltenen Trümmer es vermuthen lassen. Auch grösserer Schriftsteller Werke, verstümmelt und entstellt wie diese Fragmente, würden einen nicht viel erfreulicheren Anblick gewähren, wenn ein Alexander sie in Splitter zerschlagen hätte. Denn mag immerhin eines Thukydides, eines Polybios Grösse unzerstörbar erscheinen; was aber würde aus einem Diodor, einem Livius, einem Josephus geworden sein, wenn uns von ihren Schriften Nichts geblieben wäre, als Excerpte des Eusebios aus Excerpten des Alexander? Man könnte auf die Ueber-