Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1875
- Date
- 1875-01-01
- Page
- – (sequence 83)
- Language
- German
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185 verloren sind, sondern mit den Quellen dieser Vorlagen selbst, den biblischen Berichten. Da zeigt es sich denn, dass er viel unzuverlässiger ist, als anzunehmen seine sonstigen Arbeiten uns berechtigten-, dass aber diejenigen im Unrecht sind, die ihn absichtlichen litterärischen Betruges zeihen. Er hat sich in dieser Sammlung von wissenschaftlichen Grundsätzen in der Auswahl und Zusammenstellung der Excerpte nicht leiten lassen; er hat ausgeschnitten und aneinandergereiht, was ihm gerade in die Hand fiel, abgerissen und fortgeworfen, nicht was der Aufnahme unwerth war, sondern oft gerade das Werthvollste, für das Verständniss des Ganzen Unentbehrlichste. Allerdings, der Stoff bot hier dem heidnischen Sammler besondere Schwierigkeiten dar; aber es lässt sich nicht erwarten, dass er indische oder babylonische, ägyptische oder libysche Dinge mit viel grösserer Sorgfalt werde behandelt haben, als judäische, und dass seine cAbfolgen der Philosophen"‘ von schärferer Kritik zeugen werden, als die hier behandelte Schriftenreihe. Es muss uns genügen, ihn nirgends auf einem absichtlichen Betrug, auf einer bewussten Fälschung seiner Vorlagen ertappt und dadurch das Recht gewonnen zu haben, überall den Verdacht solcher Handlungsweise als durch kein Beispiel begründet abweisen zu dürfen. Andere Erkenntnisse haben sich uns in Bezug auf die Entwickelung des jüdischen Hellenismus ergeben. Die so dunkle Geschichte der sogenannten Septuaginta in vorphiionischer Zeit ist durch mehrere wichtige Thatsachen bereichert worden. Es ist festgestellt worden, dass im dritten vorchristlichen Jahrhundert, wahrscheinlich in der Mitte desselben, die Uebersetzung der zwei ersten Bücher des Pentateuchs (S. 40 f.), dass um die Mitte des zweiten Jahrhunderts die Uebersetzung der Königsbücher, der Chronik, des lob und wahrscheinlich auch Josua’s (oben S. 119 Anm.) vorhanden waren. Und diese Uebersetzungen haben in derselben Zeit Ansehen genug, um an verschiedenen Orten, in Aegypten und in Palästina, benutzt und entweder neben dem hebräischen Text, oder, was noch häufiger der Fall ist, mit gänzlichem Ausschluss desselben als Grundlage verschiedenster Schriften angesehen zu werden. Ueberall, wo der Text der Siebenzig in diesen Schriften zu Tage tritt, steht er dem heute uns vorliegenden überaus nahe. Selbst grössere Zusätze fehlen nicht; denn diese als in späterer Zeit eingedrungen anzusehen, verbietet die einfache Erwägung, dass dann nach allen diesen Schrift-