Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1875
- Date
- 1875-01-01
- Page
- – (sequence 81)
- Language
- German
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183 gefügt worden sein, da dies sicherlich nicht von Eusebios gestrichen worden wäre. — Wenn nur ein Heide den Gedanken zu solch einer Compilation fassen konnte, so kann nur ein Heide ihn so ausgeführt haben, wie es hier geschehen ist. Fehler und Sünden jeder Art, ein Engel Dianathan statt eines Propheten Nathan, die Zuweisung einer echt samaritanischen und einer entschieden judäischen Fragmentenreihe an Einen Verfasser (S. 91), die Einschiebung des Namens גlovöaloi in den Titel von Schriften, die diesen Namen durch ihren Inhalt weit von sich weisen (oben S. 89. 99), die Abschneidung unentbehrlicher Glieder in einer Beweiskette, die Unterdrückung wichtiger Nachrichten zu Gunsten der unwichtigsten: alles dies und andere Missverständnisse und Gewaltsamkeiten, wie sie uns in grösster Zahl entgegengetreten sind, beweisen, dass wir es Mer mit einem Manne zu thun haben, der zwar nicht wissentlich fälscht, aber eilfertig, ohne Verständniss, ohne bestimmte Absicht, ohne Interesse für den Inhalt seiner Texte, sie auf gut Glück zusammenrafft. Das aber lässt sich nur von einem Heiden annehmen; ein Jude würde sie mit grösserer Sorgfalt und mit grösserem Verständniss behandelt haben. — Welcher Grund hätte ferner einen Juden dazu verleiten sollen, ein derartiges Conglomerat von Excerpten zu fälschen? Diese selbst gewannen nicht an Autorität durch den ihnen Vorgesetzten Namen des Polyhistors, der sie nicht einmal durch sein eigenes Urtheil anerkannt, sondern nur eben flüchtig zusammengestellt haben sollte. Sie erliielten durch die Fiction auch nicht das Ansehen besonders hohen Alters, denn es liegen nur etwas mehr als hundert Jahre zwischen der Sammlung der Bruchstücke und ihrer Benutzung durch Josephus. — Man könnte Gewinnsucht als das Motiv ansehen, das einen unbekannten jüdischen Sammler veranlasst hätte, durch den bekannten Namen des Polyhistors seinem Werk einen grösseren Werth zu geben; aber es fehlt auch der Schatten eines Beweises dafür, dass jemals ein jüdisches Pseudepigraphon aus diesem Motiv hervorgegangen wäre, und die in diesem Schriftthum stets hervortretende litterärische oder religiöse Tendenz der UnterscMebung spricht entschieden gegen eine derartige Annahme. Auch giebt es unter den zahlreichen jüdisch-hellenistischen Pseudepigraphen überhaupt kein einziges Sammelwerk. Zu der Annahme aber, ein Heide habe seiner Sammlung den Namen eines gelehrten, aber durchaus nicht sonderlich berühmten Mannes fälschlich vorgestellt, hat sich