Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1875
- Date
- 1875-01-01
- Page
- – (sequence 66)
- Language
- German
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- Homer 1× ep/1025156
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168 Artapanos aber war nicht zu schüchtern, um Fälschungen zu begehen, wie die an Sophokles in der falschen Hekatäosschrift geübten und wie alle die, welche Aristobul an Orpheus und Linos, an Homer und Hesiod begangen haben soll, in Wirklichkeit aber in gutem Glauben aus Aristeas’ Trugschriften in sein grosses Werk aufgenommen hat. Der philosophische Anstrich vieler der eingeschobenen Verse, der in vielen Beziehungen an Pseudo-Aristeas’ Brief und an die Pseudo-Sophokleischen Verse erinnert, begünstigt diese Annahme, deren nähere Begründung hier nicht gegeben werden kann*). Man mag sie als unsicher zurückweisen•, aber Vermuthung gegen Vermuthung: ist es wahrscheinlicher, dass Aristobul, der untergeschobene Verse Homer’s, Orpheus" und Anderer bloss citirt, der sie in einem dem Griechenkönig gewidmeten Werke citirt, dessen sonstige schriftstellerische Thätigkeit keinen Anhalt zu irgend welcher Verdächtigung bietet, dass dieser unbescholtene Mann die Fälschung begangen habe, oder jener lügenhafte Hellenist, der, in der griechischen Litteratur bewandert, in Fälschungen auch von Gedichten geübt, hier das '־״) Die Verse 664 d 5f. widersprechen Artapan’s Worten (432 a), können aber um so weniger gegen die obige Annahme geltend gemacht werden, als sie sicher zu dem überlieferten, alten Bestände der Orphika gehört haben. — Durch die aufgestellte Hypothese wäre ein neues Mittel gewonnen, die Lebenszeit des falschen Aristeas-Artapanos zu bestimmen. Aristobul lebt zur Zeit Ptolemäos Philomotor’s und hat jenen gekannt. Dem Verfasser des Aristeasbriefes aber liegt, wie Graetz (Gesch. III2 441) nachgewiesen hat, die Zeit der Septuaginta-Uebersetzung schon sehr fern. Er muss also nicht gar zu lange vor Aristobul, in der ersten Hälfte des zweiten Jahrhunderts gelebt haben. Das aber ist dasselbe Resultat, zu dem uns die Betrachtung der Eupolemischen Fragmente (oben S. 125) geführt hat. Dass man mit Unrecht den Brief in das erste nachchristliche Jahrhundert oder wohl gar noch später ansetzen wollte, erhellt daraus, dass der der klassischen Litteratur kundige Verfasser nur wenige Schriften kennt, die der Juden gedenken (19, 14. 68. 10). Das Vorhandensein gehässiger Schriften über die Geschichte der Juden in der Mitte des zweiten Jahrhunderts, welche Artapanos voraussetzt (oben S. 161), wird nicht bloss durch Manetho, sondern auch durch das Excerpt aus Diodor (XXXIV. II 524 Wess.) und durch Agatharchides (c. Ap. I 22) erwiesen. — Dass nicht Aristobul die von ihm angeführten Verse erdichtet hat, lehrt Ewald (IV3 039) in einer kurzen Anmerkung, die lange Abhandlungen aufwiegt. Herzfeld (III 567) kommt aus anderen als den oben erwähnten Gründen zu demselben Resultat. Sehr beachtenswerth ist auch die Bemerkung Höldeke’s über die Abhängigkeit Aristobul’s vom Aristeasbrief (Altt. Lit. S. 115). — Ob die der griechischen Uebersetzung des Buches eingefügten Briefe des Artaxerxes denselben Verfasser haben, wie die Briefe des Eupolemos, was Valckenaer (Diatr. p. 17) annimmt, ist nicht sicher zu entscheiden.