Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1875
- Date
- 1875-01-01
- Page
- – (sequence 61)
- Language
- German
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163 Artapanos mit der Geschichte verfährt, so auch Pseudo-Aristeas (s. Hody a. a. 0. c. 2. 7. 8ff.). Wie jener die Geschichte Israel’s um seiner Tendenz willen trübt und verwirrt, so mischt auch dieser Wahrheit und Dichtung über palästinische Dinge durcheinander. Wie Pseudo-Artapanos besonders gern die Ansichten griechischer Judenfeinde bekämpft, so vertheidigt auch Pseudo-Aristeas seine Religion gegen allerlei Vorwürfe (36, 26 f.), und mit dem Eifer eines Josephus ist er bemüht es zu rechtfertigen, dass ältere griechische Schriftsteller der Juden nicht gedenken (19, 14f. 68, 6f.). Ja als wollte der falsche Aristeas selbst den letzten Unterschied beseitigen, der sie trennt, so lässt er ebenfalls ägyptische Priester Lobeserhebungen der Juden aussprechen (38, 25), die nur ein Mann wie der falsche Artapan erdichten konnte. Auch Josephus spricht zwar von Aegypten!, die Moses einen göttlichen Mann nennen (oben S. 151);, er aber, weil er Artapan’s Schrift, wie erwiesen ist, benutzt hat. Auf dem philosophisch-euhemeristischen Standpunkt des Pseudo-Artapanos steht auch Pseudo-Aristeas. Wie jener in Betreff ägyptischer Gottheiten, so nimmt dieser von den griechischen Göttern an, dass sie in ihren Statuen um der Wohlthaten willen verehrt werden, die sie den Menschen erwiesen haben (38, 2). Ganz nach Art Artapanischer Sagenmischung erklärt der falsche Aristeas, dass der Gott, den die Juden anbeten, derselbe sei, fden Alle verehrten, am meisten aber die Griechen, nur dass sie ihn anders benennen3 (15, 34f.). Von den zahlreichen Werken jüdischer Hellenisten giebt es ausser Philon’s Streitschrift gegen Flaccus keines, das von Beziehungen auf Aegypten so durchtränkt wäre, wie die Artapanos und Pseudo-Aristeas beigelegten Schriften, die daher beide an keinem anderen Orte abgefasst sein können, als in Aegypten*״*). Pseudo-Aristeas und Pseudo-Artapanos besitzen eine bei jüdischen Hellenisten ungewöhnliche Kunde ägyptischer Dinge. Beide aber haben zugleich die griechische Litteratur, insbesondere die historische kennen gelernt, von welcher Kenntniss sie allerdings nicht den besten Gebrauch machen. Die Uebereinstimmung zwischen den beiden Trugschriften erstreckt sich ״־') Wie Kurz (Arist. ep. p. 22) Ps.-Aristeas, der einen Hoehpriester zur Zeit Ptolemäos’ II. je sechs Männer aus den zwölf Stämmen Israel’s entsenden lässt, der Palästina eine Ausdehnung von etwa 4000 Q.-M. giebt, der ägyptische Yerhältnisse aufs treueste schildert und die Sprache der ägyptischen Hellenisten redet (s. Peyron Pap. Taur. I 22; Lumbroso Rech. p. XIII f.), für einen Palästiner ansehen kann, ist schwer zu begreifen. 5*