Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1875
- Date
- 1875-01-01
- Page
- – (sequence 60)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2720904-2720963--059-2722855- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
162 könnte noch vielerlei andere Parallelen ziehen doch genügt das Angeführte, um die Absicht der Artapanischen Schrift nunmehr dahin zu bestimmen, dass durch sie nicht bloss die Geschichte Israel’s verherrlicht, sondern auch meist höchst ungerechte Angriffe gegen dasselbe durch allerlei Erdichtungen abgewehrt und so Unwahrheit durch Unwahrheit verdrängt werden sollte. Den Schlüssel zum Verständniss der Artapanischen Schrift hat uns eine Angabe des unechten Aristeas geliefert, der zufolge er ein Werk ägyptischer Priester über die Juden in Händen gehabt, in Wahrheit aber selbst gefälscht hat, dem das des Artapanos vollständig entspricht. Diese zwei Werke, beide von gleicher Tendenz, beide desselben höchst seltsamen Inhalts, beide denselben Personen zum Scheine beigelegt, beide von Männern gleicher Herkunft, gleicher Sprache und gleicher Gesinnung verfasst, wird jeder Unbefangene für identisch halten. Doch könnte sie Jemand, der Lust am Zweifel hat, auf einen freilich sehr sonderbaren Zufall bauend, trotz alledem vielleicht für verschiedene Schriften verschiedener Verfasser darum erklären, weil Existenz und Beschaffenheit der einen Schrift aus einer Stelle erschlossen werden musste, die an sich zwar klar, doch verschieden gedeutet worden ist. Es wäre nun aber doch mehr als ein Zufall, wenn diese verschiedenen Verfasser nicht bloss, wo jenes jetzt verschwundene angebliche Werk ägyptischer Erzpriester, sondern auch da, wo der uns heute noch vorliegende Brief des falschen Aristeas eine Vergleichung mit Artapanos’ Trugschrift zulässt, durchgängige Uebereinstimmung mit einander aufwiesen. Das aber ist der Fall. Nach wie vielen Seiten auch die Fragmente des angeblichen Artapanos beleuchtet worden sind, in ihrem Verhältniss zum Judenthum, zu Aegypten und zur griechischen Litteratur: es ist auch nicht die geringste Eigenheit zu Tage getreten, die nicht einem Manne wie Pseudo-Aristeas zukäme. Wie Pseudo-Aristeas unter heidnischer Maske für das Judenthum wirken will, für einen Bekenner des Zeus sich ausgiebt (16, 2)*־) und nicht Worte genug finden kann, um den Gott und das Gesetz Israel’s zu verherrlichen, so auch Pseudo-Artapanos, nur dass dieser ägyptische Priester, jener griechische Hofbeamte und Gelehrte auftreten lässt. Wie Pseudo- *) Schmidt’s Vorschlag ftfistg in v{1ug za ändern (S. 11) beruht auf Verkennung dieses Charakters der Schrift.