Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1875
- Date
- 1875-01-01
- Page
- – (sequence 48)
- Language
- German
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150 die Maassen patriotische Urheber dieser Fälschung sich nicht auf sie berufen haben. Dass eine solche aber nimmermehr ägyptischen Priestern zuzutrauen sei, ist oben hervorgehoben worden. Nichts wahrscheinlicher, als dass der Fälscher selbst sie abgefasst hat, sogut wie andere Trugschriften, auf die er hinweist (19, 18. 68, 15. 69, 27), und dass er sie Von den gelehrtesten Erzpriestern des gelehrten Aegypten3 nur will empfangen haben, um ihrem Inhalt die höchste Autorität zu verleihen. Diese Schrift trug also weder den Namen des wahren noch des vorgeschobenen Verfassers des Aristeasbriefes*, 'sie handelte über denkwürdige Begebenheiten der israelitischen Geschichte und war im Interesse der Juden abgefasst־, es war aber der Schein gewahrt, dass ägyptische Priester sie geschrieben hätten. Wenn nicht Alles trügt, so liegen die Reste dieser oder einer sein־ ähnlichen Schrift in den Fragmenten des Artapanos vor uns*, denn aufs genaueste passen auf sie die Worte des falschen Aristeas. Sie sind offenbar die Ueberbleibsel eines Geschichtswerkes, in welchem ein sehr patriotisch gesinnter Jude Erzählungen über die Geschichte seines Volkes mittheilte, wie er sie von ägyptischen Priestern empfangen haben wollte. Sie behandeln die Geschichte Israeli nur insoweit sie auf ägyptischem Boden spielt, weil nur dies oder das zunächst damit Verknüpfte von ägyptischen Priestern erzählt sein konnte. Ueberall wird mit besonderer Geflissenheit auf religiöse Verhältnisse Aegyptens, die Gründung von Tempeln, die Einführung von Götterdiensten, die Thätigkeit und Interessen der Priesterschaften hingewiesen, weil diese Dinge im Munde von Priestern am natürlichsten klangen (s. 429 d. 430 a. 431 d. 432b. d. 433 a. b. d. 435 a. d. 436 a. b). Wichtige Einrichtungen, religiöse Bräuche, sociale Verhältnisse der Aegypter, ja selbst Naturereignisse, wie das Steigen des Nil, werden auf Personen und Thatsachen der hebräischen Vorzeit zurückgeführt. Wie albern und wir müssen sagen, wie frech alle diese Angaben auch sein mögen, sie beweisen jedenfalls, dass Artapanos seiner Darstellung ein ägyptisches Colorit zu geben und mit solchen Erfindungen seine Nationaleitelkeit zu befriedigen bemüht war. — Im Munde eines Juden, der ägyptische Priestersagen mitzutheilen vorgab, sind denn auch die räthselhaften Erzählungen von hebräischen Erbauern ägyptischer Tempel, von Moses als dem ägyptischen Töt, als dem göttergleicher Verehrung gewürdigten Er- Ander ägyptischer Kunst und Wissenschaft und dem Urheber der