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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1875-01-01 · 1875 · page 44

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1875
Date
1875-01-01
Page
– (sequence 44)
Language
German
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IRI
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146 Absicht widersprach, die Geschichte des jüdischen Volkes durch Uebertreibung und Erdichtung zu verherrlichen. Bei wem anders könnte man diese so entschieden hervortretende Absicht suchen, als bei einem Schriftsteller jüdischer Herkunft? Wenn Artapanos ein um den Inhalt seiner Excerpte so wenig bekümmerter heidnischer Compilator war, wie Alexander Polyhistor, wie ist es zu erklären, dass Alles, was aus seiner Schrift gerettet ist, den Juden günstig lautet; dass alle Wundererzählungen und abenteuerlichen Fabeleien, die er in Menge vorträgt, nur im Interesse der Juden erdichtet sein können; dass selbst die Abweichungen von der Bibel, die sich bei ihm finden, entschieden auf die Absicht deuten, die biblischen Personen und das israelitische Volk im glänzendsten Lichte zu zeigen? Je entschiedener nun alles dieses den judäischen — nicht samaritanischen (nach S. 89) — Schriftsteller kennzeichnet, den auch Graetz (HI2 41) und Herzfeld (IH 574) in ihm erblicken, desto schärfer ist der Widerspruch, den hiermit einige andere Angaben des Artapanos bilden. Wunderlich erscheint zunächst, dass Moses mit Musäos oder wohl gar mit Hermes-Tot (432 c) identificirt wird. Doch ist das nicht ohne Beispiel. In einer Zeit, da die flache Ansicht des Euhemeros vom Wesen der Götterwelt bei gebildeten Griechen und Römern überaus beliebt war; da man in den Göttern nur Lehrer und Wohlthäter der Menschen erblicken mochte, kann es nicht zu sehr befremden, umgekehrt die ehrwürdigen Gestalten der israelitischen Vorzeit den Heroen des Heidenthums angeschlossen zu sehen. Freilieh haben wir bisher eine derartige Verbindung heidnischer und hebräischer Ueberlieferungen nur bei den Samaritanern gefunden (oben S. 88f. 100. 102), und vergebens wird man sie in dieser Bestimmtheit bei anderen judäischen Hellenisten suchen. Aber beweisen nicht der bunte mythologische Apparat eines Gemistios Pletho, die tollen Einfälle ,eines Huetius in seiner demonstratio evangelica und die Träume anderer Theologen über Joseph und Moses (s. Fabricius cod. pseud. v. t. p. 760. 833), dass von phantastischen Anhängern der Bibel noch viel anstössigere Verbindungen von heidnischen und jüdischen Anschauungen ausgebrütet worden sind, als die Meinung Artapanos’, Moses sei Eine Person mit Musäos und Hermes? Viel mehr muss es 1ms befremden, von einem Schriftsteller jüdischer Abkunft die Gründung heidnischer Heiligthümer in Athos und Heliopolis den Stammvätern der Juden zugeschrieben zu sehen (430 a.

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