Mannheim
Compact Memory

Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1875-01-01 · 1875 · page 27

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1875
Date
1875-01-01
Page
– (sequence 27)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2720904-2720963--026-2722822
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

129 buches führt (s. Zunz G. V. S. 105• Fritzsche Exeg. HB. I 9). Die Phi- Ionische Beschreibung und Verherrlichung Jerusalems in mindestens vier Büchern (oben S. 100) setzt ferner voraus, dass ihr Verfasser eine genaue Kenntniss der Oertlichkeit hatte (s. Euseb. pr. ev. IX 37), dass er also in Palästina gelebt oder doch zeitweilig sich daselbst aufgehalten hat. Dass endlich das DL Makkabäerbuch, das glühenden Patriotismus mit hellenistischer Bildung vereint, in Palästina verfasst sei, ist eine begründete Vermuthung Geiger’s (Urschr. S. 226). Hinzu treten spätere Erscheinungen: griechische Münzen seit Alexander Jannai (Madden lew. Coin. p. 68. n. 5-, de Saulcy Rev. num. 1864 p. 386 f.), Bethäuser der Hellenisten in Jerusalem (AG. 6, 9), endlich das vierte Sibyllenbuch, dessen nichtägyptischer Ursprung feststeht und dessen essäisehe Färbung es eher nach Palästina als nach einer Stadt Syriens oder Kleinasiens weist*). — Die entscheidenden Thatsachen gehören der Literaturgeschichte an*, aber sie sind vollgiltige Zeugnisse für das Vorhandensein auch einer politischen Partei national- und religiös-gesinnter Hellenisten in Palästina. Denn die Litteratur ist nur das idealisirte Spiegelbild der Wirklichkeit, und eskann keine litterärische Erscheinung geben, der nicht eine richtunggebende Strömung *) Dass dies schöne Gedicht nimmermehr von einem Christen verfasst sein kann, sollte aus v. 24 f., 30f., 133, dem Schlüsse und dem Umstande klar sein, dass nirgends eine Anspielung auf eine christologisclie Lehre sich findet, die der Inhalt so nahe legte. Essäisehe Anklänge hat Ewald (Sibyll. Bücher S. 44 f.) nachgewiesen. Ausser diesen und den längst als jüdisch erkannten ist auch das grosse Gedicht, welches die Bücher XI—XIV umfasst, nicht christlichen, sondern jüdischen Ursprungs. Denn es ist unglaublich, dass in diesen sehr spät — nach Ewald (das. S. 92) im 7. Jahrli. — geschriebenen 1157 Versen, in denen die Sibylle die fernste Zukunft enthüllen will, nur zwei offenbare Interpolationen (XII 30—34 und 232) an eine christliche Lehre erinnern sollten. Heben diesem Gedicht ist noch manches andere litterärische Erzeugniss griechischer Juden aus der nachliadrianisclien Zeit uns erhalten worden. Die Anhänglichkeit der Hellenisten an ihren Glauben und ihren ungeschwächten Sinn für wissenschaftliche, besonders religions-philosophische Fragen bezeugen schon die Controversen des Justin mit Tryphon, die Aristonische des Jason mit Papiskos und zahlreiche Angaben der Kirchenväter. Die Pseudo-Philonischen Reden (s. meine Schrift über Pseudo-Jos. S. 141 f.) sind schwerlich vor dem Ende des zweiten Jahrhunderts verfasst. Um dieselbe Zeit sind die dem Pythagoreer Humenios fälschlich beigelegten Stücke (s. unten) entstanden. Das letzte Erzeugniss des jüdischen Hellenismus ist die Bibelübersetzung jenes zweiten Aquila, welche die Marcusbibliothek bewahrt.: von einem Juden mit Kenntniss, aber absichtlicher Zurücksetzung der LXX auf Grund des masoretisdien Textes und mit Benutzung jüdischer mittelalterlicher Grammatiker in mir unbekannter Zeit gearbeitet.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.