Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1875
- Date
- 1875-01-01
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
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127 die, bisher haltlos in der Luft schwebend, ebenso oft bestritten wie aufgestellt worden ist. Eupolemos hat dem Vorstehenden zufolge in der Mitte des zweiten Jahrhunderts in Palästina gelebt. Er hat sein Werk nicht ohne Kenntniss des Hebräischen, aber mit geringer Gewandheit in der Handhabung des Griechischen und in der Absicht geschrieben, den mächtigen Bau der Geschichte Israels in ruhmrediger Darstellung den Hellenen vor das Auge zu stellen. Alle diese Züge passen vortrefflich auf den Eupolemos, den (nach I MB. 8, 17f.) Juda der Makkabäer im Jahre 161 als seinen Unterhändler nach Rom entsendet hat‘״). Genau stimmen Zeit und Ort zusammen; aufs beste fügen sich auch die Lebensumstände des Gesandten den Zügen ein, die den Schriftsteller kennzeichnen. Jener muss des Griechischen kundig gewesen sein; sonst würde man ihn nicht mit der Gesandtschaft haben betrauen können. Auch hat schon sein Vater am Hofe eines hellenistischen Fürsten den Unterhändler für sein Volk gemacht (nach II MB. 4, 11). Dass er dagegen der griechischen Sprache mächtiger gewesen sein müsse, als der Geschichtschreiber, lässt sich nach dem eben Bemerkten nicht voraussetzen. Leicht aber konnte er durch den Verkehr mit heidnischen Griechen die mässige Kunde griechischer Litteratur und jene zu sehr freiem Schalten mit dem Bibelwort führende Gesinnung sich angeeignet haben, welche auf den ersten Blick so befremdend aus den Fragmenten hervorleuchtet. Dass der von dem Makkabäerhelden mit einer wichtigen politischen Mission Betraute ein guter Patriot gewesen sein muss, ist von selbst klar, und kein geringes Vaterlandsgefühl hat auch trotz aller Seltsamkeiten, Unarten und Sünden seiner Exegese des Historikers Feder geleitet. — Dass aber im zweiten Jahrhundert ein palästinischer Hellenist Gegensätze wie die geschilderten in sich vereinigen konnte; dass es Hellenisten gab, deren willkürliche Behandlung des Bibelworts gleichkam ihrer Liebe für ihr Volk und dessen Geschichte; dass ein und derselbe Mann eine Vertrauensperson Juda’s des Makkabäers und Verfasser der hier besprochenen Schrift sein konnte, das sind Thatsachen, die für Geschichte und Litteratur des jüdischen Hellenismus von Wichtigkeit sind. Ihre Möglichkeit wird nicht erschüttert durch die gewöhnliche Ansicht über den Charakter des palästinischen ־"*) Dass diese Gesandtschaft historisch ist, kann nach dem von L. Mendelssohn (De SCti Roman, tempor. p. 6f.) Erwiesenen nicht wohl bezweifelt werden.