Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1875
- Date
- 1875-01-01
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
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123 und sie dürfen im Verein mit dem früher über die durchgängige Uebereinstimmung beider Theile der Excerpte Beigebrachten als feeweisend für die Behauptung angesehen werden, dass Briefe und Fragmente des Eupolemos von einer und derselben Hand gearbeitet oder doch überarbeitet worden sind, und dass Alexander den Gesammtinhalt seiner Auszüge nicht angetastet hat. Die Untersuchung der Fragmente hat uns vom schriftstellerischen Charakter des Eupolemos in allen wesentlichen Punkten dasselbe Bild geliefert, welches uns die Briefe darboten, jenes nur noch in deutlicheren und breiteren Zügen und ergänzt durch eine Zahl bemerkenswerther neuer Eigenthümlichkeiten, die in dem engen Rahmen der Briefe nicht hervortreten konnten. Eine kecke Exegese bemächtigt sich der biblischen Berichte. Unbekümmert um den Buchstaben der Schrift sucht sie bald durch Vergleichung verschiedenster Bibel־• stellen, bald durch gewaltsame Deutung des vorhegenden Textes, bald durch Aufnahme eines die Geschichte überwuchernden sagenhaften Stoffes der Darstellung neuen Glanz und neuen Inhalt zu geben; nur selten hat eine leichtsinnige, vielleicht bloss dem Gedächtniss vertrauende Benutzung der Quellen zu Abweichungen geführt, für* die weder die scharf her vortretende Tendenz der Schrift verantwortlich, noch sonstige Gründe aufzufinden waren. Um sein Ziel, die Verherrlichung der Geschichte Israels zu erreichen, istdemEupolemos kein Mittel zu schlecht und keines zu gefährlich. Seiner Exegese fehlt kaum eine jener Unarten, welche die Schriften anderer jüdischer und christlicher Hellenisten verunzieren. Denn wenn Religion oder das, was man für religiös hielt, wenn polemische oder apologetische, wissenschaftliche oder erbauliche Zwecke es zu erheischen schienen, nahm man selten und nahm auch Eupolemos nicht Anstand, den Wortlaut der Bibel zu ändern, durch Zusätze und Streichungen ihn zu fälschen oder ihn einfach bei Seite zu schieben. Gänzlich frei ist dagegen Eupolemos von jener Krankheit der späteren hellenistischen Exegese, welche in allegorischen Auslegungen ihr Heil erblickt und das Verständniss für den einfachen Wortsinn vollständig eingebüsst hat. Die Lebenszeit des Eupolemos kann durch das bei Clemens (str. I 21. 404 Pot. H 114 Dind.) erhaltene chronologische Bruchstück näher bestimmt werden. In demselben zählt Eupolemos cvon Adam bis zum fünften Jahre der Regierung des Demetrios, dem