Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1875
- Date
- 1875-01-01
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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118 gar nicht unglaubwürdig erklärt (PhÖniz. I 176). Eine unmittelbare Entlehnung aus Ktesias scheint die Nachricht zu sein, dass Astibares von Medien als Bundesgenosse Nabukodrossor’s gegen Palästina gezogen sei, was von Niebuhr (Gesch. Assur’s S. 98. 325. 356) mit anderen geschichtlichen Ueberlieferungen in Verbindung gebracht wird. Dass die heilige Lade und die Gesetzestafeln nicht nach Babylon gebracht, sondern von Jeremias gerettet worden seien, erzählt nicht bloss Eupolemos (c. 39), sondern auch der dem II. Makkabäerbuch vorgeschobene Brief (2, 4f.) auf Grund einer älteren Schrift, die schwerlich identisch mit der des Eupolemos war. Dass der Tempel an bloss Einer Seite eine Säulenhalle gehabt habe, berichten auf Grund der von den LXX I Kön. 7, 31 (45) erhaltenen Nachricht Eupolemos (450 c) und Josephus (b. J. V 5, 1; Ant. XX 9, 7), ohne dass der hebräische Text ihnen den geringsten Anhalt bot. Aber Josephus verlegt sie nach, dem Osten, Eupolemos nach der Nord- Seite des Tempels: Josephus hat diese Nachricht also nicht diesem entlehnt, sondern benutzt ausser den LXX eine beiden gemeinsame Ueberlieferung (vgl. Joh. 10, 23. Act. 3, 11). Dass der Tempel eine Vorrichtung gegen Verunreinigung durch Vögel gehabt habe, erzählt Eupolemos vom Salomonischen, Josephus und die Mischna (Middot IV 6) vom Herodianischen Tempel. Da Eupolemos lange Zeit vor Herodes gelebt hat, so hat wohl eine alte Ueberlieferung über jene Vorrichtung am Salomonischen Tempel, die sich im Talmud (Moed Kat. 9 a) erhalten hat, die Herstellung einer ähnlichen für den Herodianischen veranlasst. Dass Salomo im Alter vou 12 Jahren den Thron bestiegen habe, steht im Einklang nicht bloss mit den LXX zu I Kön. 2, 12 (nach cod. Alex, und den meisten Handschriften), sondern auch mit talmudischen Quellen (s. Sed. Ol. Hab. c. 14). — Von ,sonstigen Uebereinstimmungen mit talmudisch-agadischen Anschau־ ungen ist bei Eupolemos nur wenig aufzustöbern, und bei keiner ist an Entlehnung aus palästinischem Deutungskreise zu denken. Das aber — und die geringen Berührungspunkte zwischen palästinischer Exegese und der des Eupolemos überhaupt — beweist abermals, dass der jüdische Hellenismus durchaus nicht Alles aus dem abgeschlossenen Sagenschatze Palästinas entnahm, was er mit diesem Gemeinsames aufweist: sonst könnten derartige Uebereinstimmungen bei Niemandem häufiger sein, als bei dem, wie sich später zeigen wird, in Palästina lebenden Eupolemos.