Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1875
- Date
- 1875-01-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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113 Diese Erwägungen, auch wenn sie als wohlbegründet anerkannt werden, haben nicht die Authentie der Briefe erhärtet, sondern, nur Gegengründe entkräftet. Ein directer Beweis kann erst aus ein gehender Betrachtung aller uns erhaltenen Bruchstücke des Eupolemos sich ergeben, die, um ihrer selbst willen unabweislich, auf Grund des bisher Erwiesenen ebenso sichere Auskunft über den einstigen Charakter der Urschrift, wie über die Echtheit der Briefe, wie über die Methode der Alexandrischen Compilation zu geben vermag. Die von Alexander überarbeiteten Bruchstücke stimmen mit den Briefen nach Inhalt, Form und Tendenz überein und beweisen damit erstlich, dass sie einen und denselben Verfasser wie jene haben, sodann, dass Alexander im grossen Ganzen ihr eigentliches Wesen unberührt gelassen hat. Die Berichte der Bibel bilden in den Briefen wie in den übrigen Bruchstücken den Grundstock der Erzählung; aber hier wie dort sind sie von vielen oft sehr bedenklichen Zuthaten überwuchert, die bisweilen noch auf biblischem Boden sich halten, zumeist aber midraschartiger Deutung oder unverbürgter Ueberlieferung enstammen, oder wohl gar vollkommen erdichtet sind. Genau der Bibel entsprechen eine Menge Angaben, wie über Dauer der Prophetie Moses’ (447 a), Lebenszeit Josua’s (das.), Aufstellung der heiligen Lade (das.), Erwählung Saul’s durch Samuel (447b) und vieles Andere, das aufzuzählen der Mühe nicht lohnt, weil der flüchtigste Blick auf die Fragmente es kennen lehrt. Viel häufiger aber sind die Fälle, in denen Eupolemos vom Text der Bibel bald mehr, bald weniger sich entfernt. Nirgends geschieht das so entschieden, als in der ausführlichen Erzählung vom Tempelbau — und das aus gutem Grunde. Denn wenn irgendwo, so sind derartige Abweichungen hier verzeihlich, wo der Urtext fast unüberwindliche Schwierigkeiten darbietet, wo die LXX in ihrer Rathlosigkeit sich häufig jeder Ueber- Setzung enthalten, wo die zahlreichsten, widersprechendsten Vermuthungen in alter und neuer Zeit neben einander Platz gefunden haben. Wenn aber selbst Männer, wie etwa Johannes Villalpandus und Bernhard Lamy trotz ihrer Gelehrsamkeit, ihrer unanfechtbaren Rechtgläubigkeit und ihres beispiellosen Fleisses — jener hat 16, dieser gar 23 Jahre an seiner Beschreibung des Tempels gearbeitet — die willkürlichsten Aenderungen des Textes sich erlauben und doch ihm überall treu zu bleiben glauben konnten, so wird unser früheres Urtheil über Eupolemos’ Abstammung und über den Charakter