Mannheim
Compact Memory

Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1875-01-01 · 1875 · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1875
Date
1875-01-01
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2720904-2720963--009-2722805
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

112 wiedergeben würde, von ihnen als dem authentischen Werke des Eupolemos zu reden. Dürfen wir also weder annehmen, dass Pseudo- Aristeas unsere Briefe abgefasst, noch dass er sie ausgeschrieben, noch dass er aus derselben Quelle geschöpft habe, die Eupolemos benutzte, so bleibt nur übrig anzunehmen, dass der Brief oder eine andere Schrift des Pseudo-Aristeas Eupolemos Vorgelegen habe. Alles, was der umgekehrten Annahme im Wege stand, begünstigt diese Yermuthung. Den der griechischen Sprache kaum mächtigen, an Worten und Wendungen äusserst armen und seiner Armuth wohl bewnssten Eupolemos musste eine Schrift zur Bewunderung und Nachahmung reizen, die von einem der höchsten Hofbeamten des ägyptischen Königs verfasst sein sollte, deren glänzender Wortflitter ebensosehr sein unreifes Urtheil bestach, wie ihr Inhalt seinem Nationalstolz schmeichelte, und deren zahllose Fehler ihm, dem stümperhaften Stilisten, für ebensoviele Vorzüge gelten mochten. Was Wunder, dass er mit einzelnen, ihr entlehnten Lappen die Löcher seines Bettlerkleides zu verdecken suchte, und dass er mit besonderer Freude die von Aristeas gefälschte Correspondenz zwischen König Ptolemäos H. und dem Hochpriester Eleasar, die er natürlich als Muster des eleganten Hofstiles ansah, für seine den Königen Aegyptens, Phönikiens uiid Israels angedichteten Briefe benutzte. — Eine letzte Möglichkeit, die aber auf dasselbe Resultat hinausläuft, ist folgende. Pseudo-Aristeas hat nicht allein den Brief an Philokrates und zahlreiche in denselben eingeschobene Briefe gefälscht •, er beruft sich auch auf andere, wahrscheinlich von ihm selbst verschiedenen Historikern untergeschobene Schriften, unter denen ein Werk des Abderiten Hekatäos (19, 19 Schm.) und eine Schrift ägyptischer Priester über die Juden (14, 3) besondere Aufmerksamkeit verdienen. Es ist sein* wohl möglich, dass der Fälscher in einer dieser Schriften einen Briefwechsel des Uaphres mit Salomo erdichtete, der Eupolemos bei seiner Schrift Vorgelegen hat. Ist das aber der Fall, so ist es doch bei der grossen Verschiedenheit des Stiles, welche die Briefe des Eupolemos und der des falschen Aristeas aufweisen, unabweisbar anzuerkennen, dass Eupolemos aus irgend welchen Gründen diese Briefe ebenso gründlich umgestaltet hat, wie er es mit den der Bibel entlehnten gethan hat, so dass nur einzelne Ausdrücke und Wendungen noch an die Vorlage erinnern, das Ganze aber als selbständige Arbeit des Eupolemos angesehen werden muss.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.