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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1875-01-01 · 1875 · page 9

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1875
Date
1875-01-01
Page
– (sequence 9)
Language
German
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IRI
…/2720904-2720963--008-2722804
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111 Wie ist dieses offenbar nicht ganz zufällige Zusammentreffen zu erklären? Haben die dem Aristeas und dem Eupolemos beigelegten Briefe denselben Verfasser? Oder schöpfen beide ans derselben Quelle? Oder hat der falsche Aristeas die Schrift des Eupolemos benutzt? Oder, um alle Möglichkeiten aufzuzählen, hat dieser jenem nachgeahmt? Die zwei ersten Fragen sind am schnellsten erledigt. Der Verfasser des Aristeasbriefes kann nicht identisch sein mit dem Verfasser unserer Briefe. Er hat entweder eine griechische Rhetorenschule besucht, oder — was die zahllose Menge seiner sprachlichen Sünden wahrscheinlicher macht — nur als Autodidakt durch das Studium griechischer Litteratur eine gewisse Kenntniss der Rhetorenkünste sich angeeignet, die den Spätlingen des griechischen Schriftthums oft genug zusammenfielen mit der Kunst der SchriftsteEerei selbst. Er vermeidet fast ganz den Hiatus, liebt seltene und poetische Worte-, sein Ausdruck ist geziert und schwülstig, wenn auch fremdartig und sprachwidrig. Ein solcher Mann kann nicht Briefe, wie die dem Eupolemos beigelegten verfasst haben, sie, die dürftig an Gedanken, jedes rednerischen Schmuckes baar, unendfich weit von dem buntscheckigen Griechisch des Briefes an Philokrates abstehen. Noch weniger aber konnten sie in ihrem ärmlichen Gewände den falschen Aristeas zur Nachahmung reizen. Sie mussten vielmehr einen solchen Mann um so entschiedener abstossen, je mehr er nach einer bis zum Ueberdruss gezierten Darstellung strebte. Was auch hätte er ihnen entlehnen sollen? Ausdrücke, wie die angeführten, konnte er überall finden und aus reineren QueEen schöpfen, da er ältere griechische Autoren kennt, wie Hekatäos von Abdera (p. 19, 18), Theopomp (68, 15), Theodektes (68, 21). Und was von der Schrift des Eupolemos gesagt werden muss, das hat auch für ihre etwaige QueEe volle Geltung. Diese musste dem putzsüchtigen Verfasser des Aristeasbriefes ebenso abstossend erscheinen, wie unsere Briefe, wenn sie dieselbe armselige Gestalt hatte und wenn die Briefe ihr wörtlich entnommen sind. War sie aber besser stüisirt, konnte sie durch ein glänzendes Aeussere einem Manne wie dem falschen Aristeas als nachahmungswerth erscheinen, so kann Eupolemos seine plumpen Stilübungen ihr nicht wörtlich entlehnt haben; so hat er höchstens einzelne Ausdrücke und den ungefähren Inhalt ihr entnommen, ihre äussere Form aber voEständig umgestaltet: ein Fall, der an und für sich nicht wahrscheinEeh, uns das Recht

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