Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1874
- Date
- 1874-01-01
- Page
- – (sequence 104)
- Language
- German
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102 Es wäre falsch, wollte man, weil Pseudo-Eupolemos, Theodotos und Malchos-Kleodemos einem trüben Synkretismus zugethan waren, allen Samaritanern Annäherung an heidnische Anschauungen zur Last legen. Es wird unter ihnen auch in hellenistischer Zeit Parteien gegeben haben, die den strengen Monotheismus festhielten, der aus ihrer Bibelübersetzung hervorleuchtet. Dass sie jedoch für heidnische Lehren empfänglicher gewesen sein müssen, als die Judäer, geht aus der Thatsache hervor, dass unter den samaritanischen Hellenisten keiner ist, der denselben nicht in irgend einer Weise Eingang in seine Schrift gestattet hätte. — Freilich hat es bestimmte Zeiten gegeben, welche zu solchem Synkretismus das samaritanische Volk gleichsam einluden. Als eine solche Zeit erscheint die, welche den grossen Makkabäerkämpfen folgte. Diese hatten die Samaritaner auf Seiten der heidnischen Syrer gesehen, hatten ein mächtiges, den Nichtjudäern und besonders den Samaritanern feindliches Volksbewusstsein bei den Judäern erweckt und so zu den erbitterten Streitigkeiten geführt, welche ihren Höhepunkt in der Zerstörung des samaritanischen Tempels fanden. Den Judäern aufs tiefste entfremdet, mögen sich die Samaritaner in dieser Zeit den Heiden, insbesondere den Phönikern, für deren Abkömmlinge sie selbst sich ausgeben (Jos. a. a. 0.)? genähert haben, und diese Annäherung findet in den Schriften, die wir besprochen haben, ihren Ausdruck. Dass man aber in der schreib־ und kampflustigen Zeit nicht bloss mit den Waffen gestritten haben wird, dass insbesondere die Hellenisten hüben und drüben das gute Recht ihres Volkes historisch zu erweisen bemüht gewesen sein werden, leuchtet von selbst ein. Auf dieselbe Zeit führt _uns noch ein anderer Umstand. Unter neun von Alexander excerpirten Schriften israelitischer Hellenisten sind fünf oder sechs, welche eine entschiedene Gesinnung, die einen für, die anderen wider die Samaritaner kund geben; das Excerpt einer siebenten, der des Aristeas, ist von zu geringem Umfange, um eine Entscheidung zu ermöglichen, und nur zwei, die des Dernetrios und Ezekielos, scheinen von diesem Gegensatz nicht berührt zu sein. Nicht zufällig können solche Schriften dem planlos sammelnden Polyhistor in die Hand gerathen sein. Man muss vielmehr vermuthen, dass Alexander wahrscheinlich in Aegypten, das er nach fr. 108 und 135a bereist hat, eine Sammlung pro- und antisamaritanischer Schliffen gefunden hat, die er neben wenigen