Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1874
- Date
- 1874-01-01
- Page
- – (sequence 94)
- Language
- German
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92 Zeit und einzig zuverlässige Zeugen für die Beschaffenheit dieses Schriftthums, da alle sonstige Kunde über die Samaritaner aus gegnerischem Lager stammt. Trotz geringen Umfangs und arg zerrütteter Verfassung bestätigen sie, was wir über Anschauungen des merkwürdigen Volkes bis jetzt bloss aus jüdischen Quellen wussten. Sie sind Denkmale einer traurigen Verzerrung hebräischer Ueberlieferung. Wo der Samaritaner die Bibel benutzt, missversteht oder missdeutet er sie; wo er Sagen fremder Völker anführt, stellt er sie nicht in ursprünglicher Bestimmtheit den hebräischen Berichten gegenüber, sondern mischt die feindlichen Elemente derart, dass beide entstellt oder zerstört erscheinen. Das erste Fragment erzählt, dass Giganten sich 1aus der Sintfluth gerettet, Babylon und den vielgenannten Thurm (rov iötoqov- /isvov nvqyov) gebaut und, nachdem dieser cdurch die Kraft Gottes gefallen sei*, sich über die ganze Erde zerstreut haben (c. 17. 418 c). Die biblische Erzählung bildet auch den griechischen Worten nach den Kern dieser Sage, der aber von fremden Vorstellungen vollständig verdeckt wird. Und noch entschiedener treten die heidnischen Bestandtheile des Sagengemenges im zweiten Bruchstück (420b) hervor. Diesem zufolge haben die Giganten in Babylonien gewohnt, sind wegen ihrer Gottlosigkeit von den Göttern (durch die Sintfluth) vernichtet worden, und Belos, der dem Tode entging, lässt sich in Babylon nieder und erbaut den Thurm, der nach ihm benannt wird. Obgleich im wesentlichen mit der vorigen über־ einstimmend, scheint dies doch eine andere Variante der Sage zu sein. Pseudo-Eupolemos liebt es überhaupt, die verschiedensten Berichte zusammenzustellen, und dass er über den babylonischen Thurm vielfache Sagen kannte, deutet der Ausdruck %hv laxoqovfrisvov nvqyov an. — Der Bibel aber widerspricht ebensosehr die erste, wie die zweite Fassung. Denn der biblische Bericht nimmt eine allgemeine Fluth an, in der das ganze Menschengeschlecht zu Grunde geht und nennt nicht Riesen, sondern die Nachkommen Noach’s als die Erbauer des babylonischen Thurmes. Um so näher, kommen heidnische Fluthsagen sowohl westäsiatischer Völker., wie hellenisch-römischer Schriftsteller der Erzählung des Samaritaners. Um die Berichte zu übergehen, die eine bloss auf Ein Land beschränkte Ueberschwemmung kennen, sei wenigstens auf Molon (bei Eus. pr. ev. IX 19), den Damaseener Nikolaos (Jos. Änt. I 3,