Mannheim
Compact Memory

Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1874-01-01 · 1874 · page 83

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1874
Date
1874-01-01
Page
– (sequence 83)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2720904-2720965--082-2722762
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

81 gläubig und bibelkundig, einen chronikartigen Abriss der Geschichte seines Volkes zu entwerfen, in demselben dunkle Punkte der biblischen Zeitrechnung zu beleuchten, wirkliche oder mögliche Angriffe von der Bibel abzuwehren und Schwierigkeiten rein exegetischer Art zu heben. Form, Inhalt und Zweck dieser Schrift sind somit sprechende, keiner weiteren Unterstützung bedürftige Beweise gegen die Meinung Dähne’s, man müsse das zweite grosse Fragment über Jakob und seine Kinder dem Phalereer Demetrios beilegen (Jüd. alex:. Religionsphilos. II 220), sowie auch gegen Valckenaer’s Ansicht, der den ehrlichen Chronikenschreiber auf Eine Linie mit den falschen Aristeas, Hekatäos und anderen Trugschriftstellern stellt (diatr. de Arist. p. 18). Eine Tendenzschrift ist allerdings die Chronik des Demetrios, wie Alles, was von jüdischen Hellenisten geschrieben worden ist; aber ihre Tendenz ist nicht verwerflich, und kein unedles Mittel entheiligt den edlen Zweck. Demetrios kennt keine patriotische Vertuschung und keine fromme Erdichtung, und er ist frei von jenem Synkretismus, der auch den besten Erzeugnissen der theologischen und historischen Litteratur jüdischer Hellenisten wie eine unheilbare Krankheit anhaftet. Man könnte sagen, dass eine Chronik zu solchen Ausschreitungen ihrem Verfasser keinen Raum geboten habe. Aber die römische Geschichtschreibung kann uns lehren, wie sehr auch die Annalistik durch tapferes Verschweigen und keckes Erfinden an der Wahrheit sich versündigen konnte. Ob Demetrios seine Chronik dem durch Hass und Vorurtheil getrübten Berichte Manetlio’s über die Hebräer, den er sehr wohl gekannt haben kann, entgegensetzen wollte, kann nicht mehr entschieden werden. Ist es der Fall, so hat er es in würdigster Weise gethan, nicht wie Josephus in bitterer Polemik, sondern indem er der sagenhaft entstellten ägyptischen Ueberlieferung mit den schlichten Erzählungen der Bibel begegnete. Keinesfalls aber hat er, wie der chaldäische, ägyptische und römische Hellenist, sein Werk zunächst für einen griechischen Leserkreis bestimmt. Jede Zeile der Fragmente beweist, dass er für jüdische Leser als gläubiger Jude schrieb, für den es nur Eine Wahrheit gab — die Bibel, den! Alles gleich wichtig war, was sie berichtete, der fremde Anschauungen nicht aufnehmen konnte, weil er im Innern frei von ihnen geblieben war. Darum ihm Lob zu spenden, könnte uns ungerechtfertigt dünken. Denn nicht besonderen Lobes werth scheint es, dass er von Eigen- 6

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.