Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1874
- Date
- 1874-01-01
- Page
- – (sequence 77)
- Language
- German
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75 Sinne auffassen könne. Dieselbe Erklärung findet sieb, sehr schroff von der gewöhnlichen Annahme abstehend Sukka 5a: CR. Jose sagte: Niemals ist die göttliche Herrlichkeit herabgestiegen, niemals sind Moses und Eliahu in die Höhe gestiegen3. Wenn Rosch Hasch. III 8 gelehrt wird, dass nicht die Hände Moses5 Sieg verliehen und nicht die eherne Schlange Tod oder Leben gegeben habe, sondern der Aufblick zu Gott und die Unterwerfung des eigenen Sinnes*"), so ist diese Exegese nicht urwüchsig, sondern fremdes Gewächs, das die jüdischen Hellenisten gepflanzt haben, und das wir schon in der Sapienz 16, 7 und häufig bei Philon (81, 15. 124, 21. 315, 10) finden. Wenn R. Akiba die Bibel für heilig, das hohe Lied Salomonis aber für allerheiligst angesehen wissen will (M. Jadaj. III 5), so deutet das auf allegorische Erklärung nach Art der phiionischen, und es ist darum nicht gewagt, unter dem räthselhaften פרדס, in das sich R. Akiba mit drei Genossen begeben haben soll (Chagig. 14 b. Jer. Chag. II 1), nicht etwa die hellenistische Theosophie, wohl aber eine ihr verwandte mystische Forschungsweise zu verstehen, wie denn in der That Philon das Paradies oft als Bild theosophischer Erkenntniss ansieht (51, 46; Quaest. in Gen. I 6f.). Hierzu stimmt, dass R. Melr, der Schüler R. Akiba’s, zu den ,^Namendeutern* (דורשי שמוה) gerechnet wird, dass er Eigennamen erklärte, wie nur jemals ein Hellenist es that (Joma 83 b, Ber. Rab. c. 42), und dass (nach Ber. Rab. c. 20) eine Lesart, die am Rande seines Pentateuchexemplars sich fand — כתמה אור für כ' עור (Genes. 3, 21) —, eine ähnliche allegorische Deutung voraussetzt, wie sie bei Philon auftritt**). — Nicht anders als Philon in seinen kühnsten Etymologien verfahrt der Midrasch (Auf. *) Diese Erklärung scheint übrigens im Gegensatz zur christlichen Auffassung vorgetragen worden zu sein, die in den ausgestreckten Händen und der Schlange ein Symbol des Kreuzes erblickte. S. Just•. Mart. dial. c. 91 p. 199. c. 94 p. 201. 202; Tertull. adv. Jud. c. 10; adv. Marc. c. 18; Greg. Haz. earm. 53. Die Reaetion gegen den Rationalismus der obigen Erklärungsweise zeigt sich M. Beraeh. V 3. Megil. IV 9. Jer. Meg. IV 10; Deut. Rab. c. 6. **) Philon ist es, der zuerst die obigen Bibelworte zur Bezeichnung des Körpers als des 'häutenen Kleides5 verwendet hat. Quaest. in Gen. I 53: *tunica pellicea symbolice est pellis naturalis, id est corpus nostrum5. Bei Gnostikern und Neuplatonikern wird die kühne Metapher nachgewiesen von Bernays Theophrastos S. 143. Dass sie auch in der Kabbala ihre Rolle spielt, ist bekannt.