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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1874-01-01 · 1874 · page 74

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1874
Date
1874-01-01
Page
– (sequence 74)
Language
German
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72 c. 3. 4. 9*): cEs sagte R. Jehuda, Sohn Simeon’s: Es gab eine Reihe von Zeiten vordem0 (vor der Schöpfung). Ferner: cEs sagte R. Abahu: Gott baute Welten und zerstörte sie, bis er diese schuf. — Hellenistischen Ursprungs ist der Begriff vorweltlicher Dinge überhaupt und erst durch die Ideen Platon’s und die Urzahlen der Pythagoreer, die auch Philon annimmt, ist er nach Palästina geführt worden**). — Ebenso ist die Anschauung von der Präexistenz der Seelen unjüdisch. Sie findet sich aber schon in der Sapienz (8, 19) und bei Essäern(Jos. b. J. II 8, 11) und ist von ”den Hellenisten aus in die talmudische Litteratur eingedrungen***). — In der Lehre, dass die Seele des Menschen vor der Geburt Alles wisse, bei der Geburt aber es vergesse (Nidda 30 b), hat schon Mendelssohn (Ges. Schrift. II 10) die bekannte platonisch-philonische Lehre erblickt. — Den schönen Vergleich zwischen Gott und Menschengeist, den wir so häufig bei Philon finden, kennt auch der Talmud (Berach. 10 a; Midr. Tehil. c. 103): cWie die Seele den Körper erfüllt, so erfüllt Gott seine Welt. Wie die Seele den Körper trägt, so trägt Gott die Welt. Wie die Seele sieht, aber nicht gesehen wird, so sieht Gott, wird aber nicht selbst gesehen.0 Vergleicht man Philon, so findet man eine fast wörtliche Uebereinstimmung. So 16, 5: fWie sich der grosse Herrscher zum ganzen Weltall verhält, so verhält sich, wie es scheint, der menschliche Geist zum Menschen. Er ist unsichtbar, selbst Alles sehend0 u. s. w. (Vgl. 494, 45. 562, 28. 631, 48). — In naher Beziehung zu diesem Gleichniss, das mehr ist als eine blosse Metapher, steht eine Bezeichnung für Gott, für die wir in der biblischen Litteratur vergebens einen Anhalt suchen, die, auch in der altgriechischen Philosophie nicht eben häufig, doch auf griechische Einflüsse zurückgeht (Sext. Emp. adv. Math. X 33; Procl. in Tim. 117 d) und tief in die talmudische und ekklesiastische Litteratur eingedrungen ist: die Benennung Gottes als des Ortes der *) S. ferner Chagig. 13 b; Abot der. Nat. c. 31; Midr. Tehil. c. 34. **) Pessach. 54a; Ber. Rab. 1: 'Sechs Dinge gingen der Schöpfung der Welt vorauf. Für die Lehre der Griechen und Hellenisten vgl. Zeller a. a. 0. V2 105. 314. ***) Chagiga 12b; Sanli. 91b; Berach. 60b; Abod. Sar. 5a; Jeb. 62a; Ber. Rab. c. 8. Das noch unerklärte נשמות שבגוף Jebam. 62 a; Nid. 13b; Ber. Rab. c. 24; Wajik. Rab. c. 15. Ueber die Phiionische Auffassung vgl. meine Schrift über Ps. Josephus S. 48.

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