Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1874
- Date
- 1874-01-01
- Page
- – (sequence 71)
- Language
- German
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69 ratur der Griechen und Römer einen breiten Raum ein'״'). Es kann daher nicht befremden, auch im Talmud vielfachen Anklängen an derartige Sagen zu begegnen. Ueber diese allgemeine Vorstellung geht aber weit hinaus und kann nur im Anschluss an eine bestimmte philosophische Lehre ausgesprochen sein, wenn Talmud und Midrasch den ersten Menschen als Mannweib geboren sein lassen. So Ber. Rab. c. 8: אמר ר' ירמיהו בן אלעזר בשער, שברא הקב״ה את אדם הראשון אנדרוגינוס בראו.. אמר ד שמואל בר נחמן בשעה שברא הקב״ה את ארם הראשון דיו פר צופי ן בראו ו נס ר ו ועשאו גביים גב לכאן וגב לכאן cEs sagte R. Jirmija, Sohn Eleasar’s: Als Gott den ersten Menschen schuf, da schuf er ihn als Mannweib. Es sagte R. Samuel, Sohn Nachman’s: Als Gott den ersten Menschen schuf, da schuf er ihn mit zwei Gesichtern. Dann schnitt er ihn durch und gab ihm zwei Rücken, einen hier und einen anderen dort*. Hiermit ist zu vergleichen Platon (symp. 189e): ävÖQoyvvov yccq h'v tovs!asv qv... xal nqogwna övo {ßl%s) und (190d): 6%sfxvs T0vg ccvd'Qoonovg di%ct ml. Es islhierferner zu vergleichen Philon, der, häufig die Vorstellung Platon’s wiederholend, den Idealmenschen als Mannweib geboren sein lässt (p. 17. 32. 69 Mang.). — Hier liegt also wörtliche Ueber» einstimmung zwischen einem Midrasch und einer griechischen Lehre vor, von der auch nicht die leiseste Spur in der älteren hebräischen Litteratur anzutreffen ist. Wenn R. Jirmija und R. Samuel nicht Platon’s Gastmahl gelesen haben, was Niemand annehmen wird, so verdanken sie diese Lehre Philon oder einem anderen jüdischen Hellenisten. Ueberhaupt bietet die Schöpfungsgeschichte ungemein zahlreiche Berührungspunkte zwischen hellenistischen und späteren jüdischen Anschauungen dar. Auf echt hellenischem Grunde ruht die philo־ nisclie Lehre von der Herrlichkeit des erstgeschaffenen Menschen (32, 12. 40, 37. II 653), die ebensosehr mit der eben berührten vom Idealmenschen, wie mit dem Satze, dass aus der Hand Gottes nur *) Berossos bei Synk. p. 52 Bonn.־, Diodor IV 6; Ovid metam. IV 285f.* Plin. h. nat. Vil 2. 3. XXXIV 19. 20. Eine Zusammenstellung von Anekdoten über Androgynen liefert Plilegon aus Tralles in seiner albernen Wundergeschichten־ Sammlung bei Müller Fr. hist. Gr. III 618. 619. Die phiionische Lehre erläutert Müller Philo von der Weltschöpfung S. 268 f. Für die talmndisehe Sage vgl. ausser dem von Sachs (Beitr. I 57) Mitgetheilten Beracli. 61a; Erubin 18a; Waj. Rab. c. 14; Jalk. Sim. Beresch. c. 20.