Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1874
- Date
- 1874-01-01
- Page
- – (sequence 70)
- Language
- German
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68 aber der Ursprung des Ganzen ist damit nicht nachgewiesen. Denn offenbar haben wir überall, wo Aehnlichkeit oder vollständige Uebereinstimmung hellenistischer mit palästinischen Lehren hervortritt, ausser der obigen Annahme noch zwei andere Möglichkeiten in Betracht zu ziehen. Jene Lehren können erstlich von Hellenisten und Palästinern selbständig entwickelt worden sein, wie denn gleiche Verhältnisse unter Menschen verschiedenster Zeiten dieselben Gedanken und Anschauungen zu erzeugen im Stande sind. Die Palästiner können zweitens durch unmittelbare oder mittelbare Berührung jene Lehren von den Hellenisten empfangen haben, was bei dem lebhaften Verkehr zwischen Hellenisten und Palästinern und näher zwischen Alexandrien und Jerusalem von vornherein als durchaus möglich zugestanden werden muss. Zwischen diesen drei Möglichkeiten in jedem Falle zu entscheiden, festzustellen, was hellenistischem, was palästinischem Boden entsprossen, was hier und dort sich selbständig und bisweilen gleichzeitig entwickelt hat, ist schwer und oft unmöglich. Man könnte das frühere oder spätere Hervortreten in der Litteratur als Kriterium ansehen, wenn man damit nicht der palästinischen Exegese Unrecht thäte, die frühzeitig entstanden, Jahrhunderte lang mündlich fortgepflanzt, erst spät schriftlich fixirt wurde. Den einzig wahrhaften Entscheidungsgrund kann nur die Geschichte der verwandten Worte, Vorstellungen und Lehren liefern. Denn der Satz kann nicht angezweifelt werden, dass die Begriffe, Lehren und Anschauungen von den Hellenisten den Palästinern zugeführt sein müssen, die bei den Griechen Wurzel geschlagen hatten, noch ehe eine Verbindung zwischen Griechenland und Palästina bestand, und die im palästinischen Schriftthum erst nach geschlossener Verbindung hervortreten; dass dagegen als ursprünglieh palästinisch anzusehen ist, was nur in Palästina, nicht in Griechenland vor dem Bestehen dieses Verkehrs angetroffen wird. Suchen wir, diesem Leitfaden uns anvertrauend, in dem Sagengewirr uns zurechtzufinden und aus der erdrückenden Fülle des Materials Einzelnes herauszugreifen, was den Einfluss hellenistischer auf palästinisch-babylonische Exegese zu bezeugen scheint. Sagen von Mannweibern, Hermaphroditen und sonstigen androgynen Bildungen sind im Alterthum weitverbreitet. Sie treten schon bei den alten Babyloniern auf, liefern der künstlerischen Darstellung griechischer Meister oft benutzte Stoffe und nehmen in der Litte-