Mannheim
Compact Memory

Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1874-01-01 · 1874 · page 69

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1874
Date
1874-01-01
Page
– (sequence 69)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2720904-2720965--068-2722748
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

67 Uebereinstimmung zwischen ihm und der nationalen jüdischen Exegese aus seiner Abhängigkeit von derselben sich erklärt. Aber ist jener Grundsatz und diese Annahme als begründet anzuerkennen? Diese heikle Frage muss, obgleich wir uns damit vom eigentlichen Gegenstände unserer Untersuchung eine Weile entfernen, ausführlieh erörtert werden, weil wir nicht bloss bei Demetrios, sondern auch bei der Betrachtung der übrigen Alexandrischen Fragmente stets auf sie zurückgeführt werden. Es muss zunächst daran erinnert werden, dass die Uebersefczung der LXX etwa 350 Jahre vor dem ersten Tanaimgeschleclit entstanden ist, dass von Demetrios, dem ersten selbständigen Schriftsteiler innerhalb des jüdischen Hellenismus, bis zur Redaction der ältesten Midraschimsammlungen — wenn man Sifra, Sifri und Mechilta so nennen darf — ein Zeitraum von mindestens 370 Jahren, und von Philon, dem bedeutendsten Vertreter der hellenistischen Theologie, bis zu demselben Zeitpunkt noch immer etwa 100 Jahre verflossen sind. Man darf ferner nicht vergessen, dass die Exegese der Hellenisten von palästinischen und griechischen Eltern zugleich geboren ist, dass sie nicht immer in sclavischer Abhängkeit von diesen blieb, sondern nach eigenen Gesetzen das von diesen ihren Eltern Empfangene weiterbildete und umgestaltete, dass es zahlreiche, selbständig forschende Schulen der Hellenisten so gut wie der Palästiner gab, und dass diese wie jene Einwirkungen von aussen nicht häufiger empfingen als ausübten. — In diesen Schulen der Hellenisten ward eine Deutungsweise gross gezogen, welche wohl am besten als hellenistischer Midrasch bezeichnet werden kann. Ihn zu charakterisiren ist schwer, weil er die bunteste Fülle echt jüdischer und griechischer Elemente, nationaler Gedanken und fremder Anschauungen, biblischer Lehren und hellenischer Formen, äusserer Einflüsse und eigener Forschungen aufweist. In ihm lässt sich eine philosophische, ethische, historische und rein religiöse Exegese unterscheiden, die bald in scharfer Sonderung auftreten, ba,ld einander durchdringen und ergänzen. Die Kette dieses bunten Gewebes ist meistens eine biblische oder echt nationale Lehre, der Einschlag aber Product Griechenlands oder eigener Forschung. Schneidet man nun hie und da ein Stück aus diesem Gewebe heraus, so ist in einzelnen Gedankenfäden um dieses Umstandes willen fast immer eine Aehnlichkeit mit palästinischer Exegese zu erkennen, 5*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.