Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1874
- Date
- 1874-01-01
- Page
- – (sequence 67)
- Language
- German
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65 Ausdruck der schon kanonisch gewordenen LXX nach und bilden ebensowenig eine Instanz für oder gegen die Zeitbestimmung von Profanschriften, wie die Götterpuppen, welche griechische Künstler des fünften Jahrhunderts für den Tempeldienst anfertigten, uns den Kuuststil des Perikleisclien Zeitalters kennzeichnen, und so wenig wie uns Aquila die Sprachfertigkeit jüdischer Hellenisten des zweiten nachchristlichen Jahrhunderts kennen lehrt. Denn wenn er, der geborene Grieche, Hebraismen sich zu Schulden kommen lässt, wie die leider sehr spärlichen Fragmente und die zwar nicht unversehrt, aber vollständig erhaltene Kohelet-Uebersetzung‘*) sie aufweisen, so sind das nicht Fehler seines Stiles, sondern seiner theologischen Tendenz. Als Heimath unseres Demetrios kann nur ein Land angesehen werden, dessen jüdische Bewohner sich schon im dritten Jahrhundert in griechische Sprache und griechische Cultur so tief hineingelebt hatten, dass ein bibelgläubiger und national gesinnter Mann wie Demetrios griechisch schrieb, nach Art griechischer Gelehrten forschte und die griechische Uebersetzung der Bibel mit völligem Ausschluss des hebräischen Textes benutzte. Kaum denkbar ist es, dass ein anderes Land eine solche Erscheinung in so früher Zeit hervorgebracht haben sollte, als Aegypten. Hier, wo schon vor Alexanders des Grossen Zeit jüdische Colonien sich angesiedelt hatten, wohin der grosse Makedonier und der erste Ptolemäer eine grössere Zahl von Juden geführt hatten, wo unter dem zweiten Ptolemäer die Bibelübersetzung begonnen ward, kann ein Demetrios sehr wohl in der zweiten Hälfte des dritten Jahrhunderts gelebt haben. Auf Aegypten führt ferner die eben angeführte Zählung nach Regierungsjahren eines Ptolemäers, die unerklärlich wäre, wenn Demetrios nicht unter ägyptischer Herrschaft gelebt hätte. Aber der hier ausgesprochenen Ansicht, die Demetrios in die Mitte des dritten Jahrhunderts und in eine hellenistische Heimath weist, scheint der Umstand zu widerstreben, dass seine Exegese, wie erwiesen worden ist, die entschiedenste Verwandtschaft mit den *) Dass die jetzt den LXX beigelegte Kohelet-Uebersetznng keinem Anderen als Aquila angeliört, bat nach mündlichen Mittheilungen von mir Herr Professor Graetz auf meinen Wunsch in seiner Monatsschrift (J. XVIII S. 481 f.) und in seiner Bearbeitung des Kohelet (S. 17Sf.), als an dem hierfür geeignetsten Orte, dargelegt. 5