Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1874
- Date
- 1874-01-01
- Page
- – (sequence 66)
- Language
- German
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64 römische Geschichtschreibung, und keine anderen Anfänge kennt die neuere Historiographie. Es ist daher durchaus naturgemäss, dass der jüdische Hellenismus Chroniken vor den Geschichtswerken geschaffen, und dass Demetrios seine chronologisch*genealogische Skizze längere Zeit vor Ptolemäos VII. — unter dessen Regierung, wie des Weiteren gezeigt werden soll, mehrere Geschichtsbücher von jüdischen Hellenisten abgefasst sind — geschrieben hat. Auch der Stil des Demetrios7, die ungelenke Satzverbindung, die, wie die Vergleichung mit anderen Excerpten des Alexander lehrt, nur zum Th eil auf Rechnung des Epitomators zu setzen ist, die zahllose Menge von Hebraismen, die sicherlich dem Demetrios allein angehören, die Armuth an Worten und Wendungen, die ein und denselben Ausdruck in ermüdender Gleichförmigkeit vielfältig wiederholt, die Ungeschicktheit in der Verarbeitung des Stoffes, weiche das Unbedeutendste in geschwätziger Ausführlichkeit behandelt (oben S. 3>), Wiederholungen nicht scheut (das.) und daneben bedeutsame Ereignisse in gedrängtester Kürze hinstellt*״‘) — alles dies beweist, dass die Prosa der jüdischen Hellenisten die Kinderschuhe noch nicht abgelegt hatte, als Demetrios schrieb, und dass er lange vor Aristobul, dem falschen Aristeas und der jüdischen Sibylle des zweiten Jahrhunderts gelebt hat. Denn diese Schriftsteller streben nach Correctheit des Ausdrucks, allerdings ohne sie zu erreichen. Sie wollen sogar kunstvoll und elegant schreiben, obgleich sie Barbarismen durchaus nicht vermeiden und eine gezierte und gekünstelte statt einer zierlichen und künstlerisch vollendeten Spräche. führen. Sie kennen die grammatischen und selbst die rhetorischen Gesetze der griechischen Sprache und haben durch Lectüre von Dichtern, Rednern, Philosophen und Geschichtschreibern einen unendlich reicheren Wortschatz sich erworben, als er dem Demetrios zu Gebote steht. — Man darf hiergegen nicht geltend machen, dass manche offenbar nicht vor dem zweiten Jahrhundert entstandene Apokryphen nicht minder incorrect geschrieben sind, als die Fragmente des Demetrios*, denn jene ahmen absichtlich den *) Man lese die Erzählung von Joseph’s Geschicken in Aegypten (424c), die doch viel zu interessant sind, als dass man annehmen dürfte, der auf das Amüsement seiner Leser sorgsam bedachte Polyhistor habe sie so unverständig gekürzt und dagegen die Weitschweifigkeit sonstiger Berichte beibehalten.