Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1874
- Date
- 1874-01-01
- Page
- – (sequence 47)
- Language
- German
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45 deutende Männer aber füllten ganze Bände mit derartigen Fragen und Antworten, und Fürsten und Königen war es ein angenehmer Zeitvertreib, den Problemenjagden ihrer Hofgelehrten beizuwohnen und bisweilen die Aermsten selbst mit spitzfindigen Fragen zu schrauben. — Doch was den Einen ein frivoles Spiel, das ward Anderen eine Methode strenger Forschung. Von dem Ernste, mit dem auf dem Gebiete der Litteratur und Naturwissenschaft derartige Fragen und Antworten gegeben wurden, liefert die aus peripatetischer Schule hervorgegangene Problemensammlung, die den Werken des Aristoteles angereiht ist, den besten Beweis, und dass mit gleichem Ernste auf biblischem Boden in dieser Art geforscht wurde, bezeugen die viele Bücher umfassenden quaestiones et solutiones, die unter dem Namen Philon’s gehen, und die umfassende Anwendüng dieser Form im Aristeasbriefe. — Auch Demetrios hat sich dieser neuen Art der Untersuchung zugewendet, und wir brauchen nicht zu sagen, dass er es in ernster Weise gethan hat, wenn er auch seinen Witz bisweilen an recht kleinliche Dinge verschwendete. Ihm genügt es nicht, auf seine Fragen die erste beste Antwort zn suchen und diese als evident hinzustellen. Er legt auch hier entweder seine Gründe offen dar oder stellt seine Lösungen als blosse Muthmassungen hin. So beantwortet er die Frage, warum Joseph 9 Jahre habe verstreichen lassen, ohne seinen Vater von seinem Glückswechsel zu benachrichtigen, damit, dass seine Verwandten als Hirten den Aegyptern verhasst gewesen seien (IX 21. 424 d), und beweist diese nicht eben kühne Combination durch den Hinweis auf Gen. 46, 34, welchem Verse zufolge die Brüder Joseph’s, um in Gosen bleiben zu dürfen, Pharao erklären sollten, dass sie Viehzüchter seien, 'denn ein Greuel Aegyptens ist ein jeder Viehhirt*. Der letzte Th eil des Verses fehlt freilich in unseren Excerpten. Da aber der ganze Beweis auf ihm ruht, so haben wir hier einen Beleg für die oben schon als wahrscheinlich hingestellte Vermuthung, dass Alexander seine Citate bisweilen in höchst unverständiger Weise verstümmelt habe. — An anderen Stellen lässt Demetrios erkennen, dass er Fragen beantworte, die nicht von ihm, sondern von Anderen aufgeworfen waren. So sagt er (IX 21. 424 d): 'Man werfe die Schwierigkeit auf (SianoQsTa&ai <?£), warum Binjamin von Joseph gerade den fünffachen Theil beim Gastmahl erhalten habe* und er antwortet, das sei geschehen, damit die Kinder