Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1874
- Date
- 1874-01-01
- Page
- – (sequence 44)
- Language
- German
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richte sind nicht abgefasst, damit ein Sj^stem der Chronologie aus ihnen errichtet werde. Für die wichtigste Thatsache fehlt oft jede Zeitbestimmung; in einer langen Reihe von Angaben klafft bisweilen eine Lücke, welche die Kette chronologisch sicherer Daten unterbricht, oft gänzlich zerreisst. Hier tritt die Forderung an den Forscher heran, durch Combination das Fehlende zu ergänzen und so die Lücke zu schliessen. Aber wie gerechtfertigt ein solcher Versuch, so nothwendig ist es, des grösseren oder geringeren Grades der Wahrscheinlichkeit eingedenk zu sein, die ihm innewohnt und nie die Grenze zu überschreiten, jenseits deren die Möglichkeit zu erkennen überhaupt aufhört. Den Unterschied zwischen Möglichkeit, Wahrscheinlichkeit und Gewissheit nicht zu beachten, das ist das Wesen aller unkritischen Forschung und der grösste Fehler ungeschichtlicher Zeiten. Von diesem Fehler ist Demetrios keineswegs ganz freizusprechen; denn er lässt Vermuthungen und Deuteleien zu, wo der einfache Wortlaut seiner Vorlage genügen müsste, und wo eine sichere Erkenntniss unmöglich ist. Aber er ist sich wenigstens der Gefahr bewusst, in die er sich begiebt, und ehrlich genug, da wo er den festen Grund überlieferter Thatsachen verlässt, eine Warnungstafel für diejenigen aufzustellen, welche sich auf den schwanken Boden von Möglichkeiten und Wahrscheinlichkeiten nicht begeben wollen. Das geschieht, indem er seine eigenen Muthmassungen mit ausdrücklichen Worten von den Angaben der Bibel sondert, die Beweise darlegt, auf welche er sich stützt, und so dem Leser ein eigenes Urtheil ermöglicht. — Wir können nicht erwarten, dass dieser Charakter seiner Schrift, den oft nur ein Wort wie (paivsTcu, doxel kenntlich gemacht haben wird, überall in dem Doppelauszuge, der uns jetzt vorliegt, hervoiärete. Denn dem eilfertig arbeitenden und stark kürzenden Compilator Alexander werden derartige leise Andeutungen und bescheidene Aeusserungen des Zweifels am entbehrlichsten erschienen sein. Sind es doch auch bei dem sonst so treu copireuden Eusebios in der Epitome aus Diodor (pr. ev. II 1—2) dergleichen Worte, die er am liebsten beseitigt. Trotzdem ist mehr als Eine derartige Aeusserung des Demetrios uns erhalten worden. Die Genealogie Jitro’3, die Demetrios um Moses’ willen geben musste, ist aus dem Texte der Bibel nicht klar ersichtlich, denn zwischen Jitro-Reüel, dem Midianiten, und Abraham, dem Stamm-