Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1874
- Date
- 1874-01-01
- Page
- – (sequence 39)
- Language
- German
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37 der Originalschrift entnommenen Auszüge sind in einem nüchternen, anspruchslosen und gedankenarmen Tone gehalten, ohne Gewandheit des Ausdrucks, ohne Frische und Schwung der Darstellung, die somit den schärfsten Gegensatz zu der prunkhaften, tendenziös gefärbten Manier des Josephus bildet. Nirgends lässt Demetrios sich auf eine ausführliche Schilderung der Ereignisse ein; nirgends wird eine Charakteristik von Personen entworfen oder eine breite Erzählung von Nebenumständen gegeben. In groben Zügen stellt er das dürre Gerippe der Thatsachen hin, und nur in seltenen kleinen Abschweifungen sucht er zu erklären oder zu rechtfertigen, was von biblischen Erzählungen der Aufhellung oder der Verteidigung zu bedürfen schien. Diese Eigentümlichkeit der bezeichneten Fragmente, die nirgends sonst wiederkehrt, ist nicht etwa aus dem Streben nach Kürze hervorgegangen, welches jeden Geschichtschreiber zu gleich gedrängter Darstellung veranlassen könnte; denn Zeitbestimmungen und Genealogien werden oft — und selbst bei unerheblichen Begebenheiten — mit erstaunlicher Breite mitgeteilt (s. IX 21. 423. 425 b. IX 29. 439 c). Diese dürre Auf- Zahlung von Zahlen und Namen kann nur aus der Bestimmung und dem Wesen der Schrift selbst erklärt werden, die kein Geschichtsbuch im eigentlichen Sinne, sondern eine Chronik, oder genauer gesagt ein chronologisch-genealogischer Abriss der biblischen Geschichte sein sollte. — Als solchem aber müssen wir dieser Schrift ihre unläugbaren Vorzüge zuerkennen. Wer die wirren Einfalle jüdisch-hellenistischer und ekklesiastischer Schriftsteller über biblische Geschichte kennt; wer auf diesem Gebiete oft genug ein Product von Unwissenheit und Leichtfertigkeit, ein trübes Gemenge biblischer Erzählungen, griechischer Sagen und kirchlicher Legenden als lautere Wahrheit hat ausgeben sehen, der wird zugleich überrascht und erfreut in Demetrios das seltene Beispiel eines Hellenisten erblicken, den der Eifer zu vertheidigen oder anzugreifen, die Sucht zu glänzen oder die alte heilige Zeit in möglichst glänzendem Lichte erscheinen zu lassen nicht zu falschem Synkretismus, nicht zu Uebertreibungen und Vertuschungen und zur Anwendung aller jener bekannten Mittelchen der rhetorisch-sophistischen Schönfärbekunst verleitet hat, welche die Geschichtschreibung der Hellenisten so häufig schmücken sollten und so sehr verunzieren. Demetrios übertreibt und beschönigt weder Zahlen noch Thatsachen. Er stellt die Geschichte dar in