Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1874
- Date
- 1874-01-01
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
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22 vorhistorischen Zeit dasUnterscheidungs vermögen zwischen Geschichte und Sage geraubt hatte; die Historisches and Mythisches zuein em trüben Brei zusammengossen und die Ursprünge von Ländern und Völkern glaubten erklärt zu haben, wenn sie durch oft sprachwidrige Namendeutung ihre Genealogien bis zu dem heroischen Zeitalter hinaufgeführt hatten. Hinzu tritt bei Alexander eine zügellose Kleinkrämerei, der ein erotisches Geschichtchen, eine unglaubliche Wundererzählung so wichtig ist, wie treue Ueberlieferung historischer Data, die am liebsten in vergangenen Zeiten, bei weit entlegenen Ländern und fernst wohnenden Völkern verweilt, weil hier die Gelehrsamkeit am hellsten leuchten kann. — Ungerecht wäre es, hierfür allein sein Zeitalter verantwortlich zu machen, das freilich unendlich mehr geleistet hat in gelehrter Arbeit als in freiem künstlerischen Schaffen, das fruchtbar war an geistlosen Vielschreibern wie Alexander, das aber auch, neben einer grossen Zahl von Gelehrten zweiten Ranges, Männer wie Aristarch, Eratosthenes und Polybios erzeugt hat, Männer, die der Wissenschaft neue Bahnen wiesen, deren nie rastender Forschertrieb das Kleinste nicht für zu klein hielt und zum Grössten sich erhob, deren Geist die fernsten Länder und Völker den Zeitgenossen näher brachte, längst entschwundene Zeiten wieder belebte und die Geschichtschreibung mit neuen Gedanken befruchtete. Nicht diesen Männern ist Alexander beizuzählen. Bei ihm wird die universale Forschungslust der alexandrinischen Gelehrten zur unnützen Vielwisserei, sinkt die Gelehrsamkeit zur tändelnden Notizenjägerei herab. — Doch es können nicht Alle Meister sein, die ein Haus zimmern; Alexander aber ist ein Stümper auch als Handlanger. Rühmenswerth ist die Emsigkeit, mit der er aus den dunkelsten Winkeln der Bibliotheken Materialien jeder Art für seine Werke herbeischleppt, der wir die Rettung so manches kostbaren Restes alter Litteratur verdanken; aber dieser sein Bienenfleiss wendet sich urtheilslos auf Alles, was ihm in den Wurf kommt. Er sammelt mit gleicher Lust werthvolle Bausteine für andere Meister und unnützen Schutt, in dem er jene vergräbt. Mit naiver Unbefangenheit mischt er alberne Anekdötchen mit geschichtlicher Ueberlieferung, närrische Etymologien und alte Stadtsagen; eine schon durch stoische Lehren entstellte Schrift wird als echtes Zeugniss für die Lehre der alten pythagoreischen Schule ausgegeben (Zeller Phil. d. Griechen V2 74); die judäische Sibylle erscheint dicht neben Berossos, und Dichtern vom