Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1874
- Date
- 1874-01-01
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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11 gläubigkeit in seinen selbständigen historischen Versuchen zu Tage treten, wie oft auch der Hass und die Vorliebe des Bischofs die Feder des Geschichtschreibers geleitet und sein Urtheil beirrt haben, nirgends lässt sich ein Beispiel dafür auffinden, dass er den Wortlaut der Excerpte, die er als wortgetreue mittheilt, geradezu verfälscht habe, wie Gesner (Orphica p. 361), Niebuhr (a. a. O.) und Andere hin und wieder angenommen haben. Wo er blosse Abschriften liefert, da verändert er seine Vorlagen fast nie oder doch nur in unbedeutendem Maasse, und auch die tiefgreifenden Veränderungen, welche er in verschwindend wenigen Fällen — wie z. B. am Texte des Diodor — sich erlaubt hat, sind nicht tendenziöser Art und lassen den Sinn und den Gesammtgehalt der Quellen fast gänzlich unversehrt. Was aber am wichtigsten ist, alle Irrthümer und Ungenauigkeiten, alle absichtlich und unabsichtlich zugelassenen Abweichungen von der Wahrheit sind doch nur vereinzelte Ausnahmen in der unendlichen Zahl von Excerpten, die mit mechanischer Treue abgeschrieben und mit bewundernswerther Gewissenhaftigkeit uns überliefert worden sind. Nur dieser gewissenhaften Treue gegen seine Texte ist es zu verdanken, dass wir heute, mehr als fünfzehnhundert Jahre nach Eusebios’ Lebenszeit, an unzähligen Stellen die von ihm excerpirten Schriften selbst aus den schlechten Handschriften verbessern können, in denen seine Sammelwerke erhalten sind. Freilich, die Reinheit der Ueberlieferung, in welcher vor allen griechischen Prosaisten Platon’s Dialoge auf uns gekommen sind, erreicht keines der grossen Excerpte, welche er so häufig aus denselben giebt. Wo aber die Ueberlieferung eine so unzuverlässige ist, wie etwa bei dem Alexandriner Philon, dem Pseudo-Aristeas 3, dem Alexandriner Clemens und dem Tyrier Porphyrios, da ist durch die grossen Auszüge des Eusebios die Möglichkeit gegeben, einen reineren Text in unzähligen Fällen herzustellen. Einem milden Richter gegenüber würden diese Erwägungen allein uns das Recht sichern, überall, wo kein Beweis für das Gegentheil vorliegt, die Excerpte des Eusebios und somit auch die Auszüge aus Alexanders Schrift als treue Copien anzusehen. Jedenfalls können sie' dazu dienen, den oft erschütterten Glauben an die Zuverlässigkeit Eusebischer Excerpte um ein Beträchtliches zu stärken und die Forderung als berechtigt erscheinen zu lassen, dass,.um Eusebios der Fälschung seiner Vorlagen zeihen zu dürfen, wie es