Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1874
- Date
- 1874-01-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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6 darf bei der überaus grossen Zahl von Excerpten ihm nicht gar zu sehr vorgeworfen werden. Ist doch ein Gleiches und viel Schlimmeres einem Goethe zugestossen, der Auszüge aus fremden Schriftstellern in späteren Jahren als sein Eigenthum ansah und veröffentlichte.*־) — Nicht zu entschuldigen aber ist, dass Eusebios einige Male absichtlich unterlässt, die rechte Quelle zu nennen und den Leser mit Bewusstsein irreführt. Im vierten CapitePdes neunten Buches citirt er den Abderiten Hecatäos, im fünften den Peripatetiker Klearchos, im neunten den Epiker Chörilos, ohne auch nur durch die leiseste Andeutung zu verrathen, dass er alle diese Citate aus Josephus’ gelehrter Streitschrift cwider die Hellenen'*־*־) abgeschrieben hat. Wie hier dem Josephus, so ergeht es Clemens, dem Alexandriner, im zehnten Buche (c. 4. 472 b), wo Eusebios dem Scheine nach Demokrit, in Wirklichkeit aber Clemens’ *Teppiche* ausschreibt. — Im neunten Buche (c. 3) theilt er aus Porphyrios’ Schrift cüber Enthaltung von thierischer Nahrung"‘ einen Auszug über die Essäer mit, verschweigt aber, dass Porphyrios, dessen ausdrücklicher Angabe zufolge, diesen Excurs vollständig dem Josephus entlehnt hat, ja er erklärt gegen besseres Wissen am Schlüsse des Excerptes: cDas sagt Porphyrios, wie es scheint, nach alten Schriften* (Tavra ixkv o II0Q(fVQ10q, €k nalaiüv cog slxog ävayvwQiGfxdcrüyv'). Solcher Flunkerei machte er sich schuldig, weil er die Kraft des Zeugnisses, das der Heide Porphyrios für den sittlichen Werth des Judenthums hiermit ablegte, durch Zurückführung desselben auf den Juden Josephus nicht schwächen wollte (s. Bernays’ Theophrastos S. 152). An den obigen Stellen aber trifft ihn zwar nicht der Vorwurf directer Entstellung, wohl aber absichtlichen Verschweigens der Wahrheit. Denn dass dort kein zufälliges Zusammentreffen zwischen Eusebios einerseits und Josephus und Clemens andererseits vorliegt, beweist die Umgebung dieser Excerpte, in der sich durchgängige Uebereinstiinmung mit den zugehörigen Bemerkungen dieser Schriftsteller zeigt. Und wenn er diese Bemerkungen zwar als eigenes Gut, aber nur mit *). S. Goedike Elf Bücher deutscher Dichtung I 635 über die Entlehnung des schönen Jacobischen Liedes'der Sommer-Tag’•, Goedike Grundriss der deutschen Dichtung II 864 über die Aneignung einer Okenschen Lehre. **) Ueber diese allein richtige Aufschrift vergleiche man Bernays’ Theophrastos S. 154.