Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1874
- Date
- 1874-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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2 Lücke zu heften, Blätter, deren verblichene Schrift dem aufmerksamen Leser werthvolle Aufschlüsse über die Zeit, die sie geschrieben hat,'zu geben vermag. Keinesfalls ist die Nichtachtung gerechtfertigt, der diese Bruchstücke, zumal die prosaischen,*) anheimgefallen sind. Diese sind in ihrer Gesammtheit nie einer eingehenden Untersuchung gewürdigt und wenn auch oft von hervorragenden Forschern gelegentlich berührt und beurtheilt, zumeist in Bausch und Bogen abgeurtheilt worden. Selten hat man es der Mühe für werth gehalten, die Spreu von den Körnern zu sondern, das werthvolle Einzelne aus dem grossen Haufen des Werthlosen herauszulesen. Nie hat man es unternommen, die historischen Fragmente insgesammt zu befragen nach den litterärischen Verhältnissen der Zeit, aus der sie hervorgegangen sind, nach den Zielen ihrer Verfasser und nach ihrem Zusammenhänge mit den verwandten Erscheinungen des Hellenismus. Eine solche Vernachlässigung nicht unwichtiger Ueberreste eines alten Schriftthums mag zum Theil durch einen äusseren Umstand verschuldet sein. Dieselben sind auch als Bruchstücke kein sicherer, unantastbarer Besitz der Litteratur, sondern in äusserst fragwürdiger Gestalt auf uns gekommen. Ihr Text ist niemals einer kritischen Behandlung unterzogen und in arg verwahrlostem Zustande von einem Herausgeber dem anderen überliefert worden. Sie liegen uns vor in schlechten Handschriften1 als Excerpte des Eusebios aus denExcerpten des Alexander. Wie viel sie auf dem langen Wege von den Verfassern bis zu den Ausgaben Gaisford’s und Dindorfs durch die plumpe Scheere des Polyhistors, die unsichere Hand des Eusebios, die flüchtige Feder der Abschreiber gelitten, was Eusebios, was Alexander an ihnen geändert, was die Verfasser selbst geschrieben haben, das müsste erst festgestellt sein, ehe ein wissenschaftlich begründetes Urtheil über den Charakter, den Werth und die Zwecke dieser Schriften möglich wäre, ehe sie uns auf die vielfachen Fragen Antwort geben könnten, welche wir an sie richten möchten. Diese Scheidung zu versuchen, ist die nächste Aufgabe dieser Untersuchung. *) Die poetischen Fragmente haben von Neueren erklärt und herausgegeben: Delitzsch Gesch. d. jüd. Poesie S. 211 f.; L. M. Philippson Ezechiel und Philo; Dübner Append. zu Wagner’s fragm. Eurip. etc. p. VII f. 1 f.; C. Müller Fragm. hist. Gr. III 213. 217 f. 229. Die ältere Litteratur führt Philippson auf.