Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1873
- Date
- 1873-01-01
- Page
- – (sequence 31)
- Language
- German
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29 Hälfte die subjektive Betrachtung des Propheten ist, und erst die zweite Hälfte enthält den Kern der von Gott inspirirten Verkündigung. Nun hatte aber der Prophet einen bestimmten Auftrag erhalten, zu sprechen oder das Wort Gottes zu verkünden, wie der Eingang angiebt: דבר ה, אשר ״ ,היה אל יואל בן פתואלdas Wort Gottes, welches an Joel, den Sohn Petuels, erging.“ Dieses Wort Gottes kann nicht in der ersten Hälfte enthalten sein, da sie, wie oft wiederholt, nur Schilderungen und Ermahnungen seitens des Propheten enthält. Es kann sich also nur auf die zweite Hälfte beziehen; nur diese hat ganz den Charakter einer inspirirten prophetischen Weissagung. Von wo an beginnt diese? Offenbar von II. 19: ״Gott sprach: ״Ich sende euch bald Getreide, Wein und Oei“ ויען ה' ויאמר לעמו הנני שלה לכם הרגן והתירוש וגו׳, oder schon von dem vorangehenden Verse. Diese göttliche Verkündigung, worauf sich der Eingang ״Wort Gottes“ bezieht, ist durch die erste Hälfte oder die subjektive Betrachtung und Bemerkung des Redners unterbrochen, welche eben eine Einleitung dazu bietet. Diese Darstellungsweise, dass eine bestimmt angekündigte Weissagung durch eine Digression unterbrochen wird, ist nicht ohne Analogie in der prophetischen Literatur. Mehrere Jeremianischen Weissagungen sind erst dadurch verständlich, wenn man in denselben zwei Momente auseinander hält, das Moment des durch Inspiration empfangenen Wortes Gottes und der individuellen, subjektiven Zwischenbemerkung des Propheten. Diese dient dazu, den Eindruck der Weissagung zu erhöhen. Eine vollständige Analogie zu dieser zweigestaltigen Prophetie Joels bietet besonders das vierzehnte und folgende Kapitel in Jeremia. Der Eingang in demselben lautet: ״Das Wort Gottes, welches an Jeremia anlässlich der Regenlosigkeit erging“: אשר היה דבר ה׳ אל ירמיהו על דברי הבצרות. Der Zuhörer oder Leser wäre demnach berechtigt, eine förmliche weissagende