Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1873
- Date
- 1873-01-01
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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Uebersehrift kenntlich, dass es nicht eine Prophezeiung, sondem ein Gebet ist. Alle diese Schwierigkeiten und Unzuträglichkeiten drängen sich bei der Annahme einer Dichotomie auf, fallen aber sofort hinweg, sobald man Joels Prophetie als eine einzige Rede ansieht, die zwar aus zwei Hälften besteht• aber diese beiden Partien haben einen innigen Zusammenhang und bilden zwei Glieder eines organischen Ganzen. Der Grundgedanke der zweiten Hälfte ist so durchsichtig, dass er von keinem Ausleger verkannt wurde: die Ankündigung des Tages des Herrn (׳“ CP), des Strafgerichtes Gottes über die Heiden und des Heils für die geläuterten Israeliten, kurz des jüngsten Gerichts. Es lässt sich nicht mehr tixiren, welcher Prophet zuerst diese, so zu sagen, apokaljptische Perspektive aufgerollt hat, von dem Eintreffen eines fürchterlichen, grossen Tages, welcher die Sünder und die Sünde vertilgen, die Guten läutern und eine neue sittliche Weltordnung herbeiführen werde. Sie findet sich zugleich in den Red en der ältesten Propheten, Joel, Arnos, Sacharial. und Obadja. Höchst wahrscheinlich hat das grauenvolle Erdbeben zur Zeit des Königs Usia, welches ohne Zweifel zugleich von düsterer Finsterniss, Blitzschlägen und betäubendem Gekrache begleitet war, wobei die Sonne verdunkelt und der Mond blutroth schien, die Staffage dazu gegeben. Am ausführlichsten schildert eben unser Prophet diese Perspektive: sie bildet, wie gesagt, den Grundton seiner Prophetie in der zweiten Hälfte: Noch vor dem Eintreffen dieses grossen und furchtbaren Tages des Herrn werden Zeichen am Himmel und auf Erden erscheinen, Blut, Feuer und Rauchsäulen ־, die Sonne werde in Finsterniss und der Mond in Blut verwandelt werden (HI. 3—4). Von diesem Tage des Herrn spricht aber schon die erste Hälfte wiederholentlich, was eben die Zusammengehörigkeit beider Hälften andeutet. 0״, des Tages des Herrn, denn nah ist der Tag des Herrn, und wie ein