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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1873-01-01 · 1873 · page 17

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1873
Date
1873-01-01
Page
– (sequence 17)
Language
German
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IRI
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15 dürftet ihr Gehör bei Gott,' dem gnädigen, barmherzigen und langmüthigen, finden. Auch in der Anrede an die Priester, richtiger Ahroniden, (II. 17) steckt eine Art Ironie (wovon weiter unten). Mit einem Worte: Der Prophet Joel hat in diesem Theil seiner Prophetie keine&weges zu einem öffentliehen Fast- und Basstag aufgefordert, das brauchte er nicht, weil es ohne Zweifel von selbst geschehen ist, und zwar während der mehrere Jahre dauernden Calamität wohl öfter geschehen ist. Er hat vielmehr über die äusserliche Art des begangenen Busstages oder der begangenen Busstage ironisirt, dass das Yolk sich bei all dem nicht von ganzem Herzen an Gott wendet, seine Kleider wohl in übermässiger Trauer zerriss, aber kein zerknirschtes Herz zeigte und in Unbussfertigkeit verharrte. Kann der Prophet nicht erst zu einem zu veranstaltenden Bussfeste aufgerufen haben, sondern hat er von einer von selbst zur Busse zusammengekommenen Versammlung gesprochen — wie es das erste Wort seiner Rede voraussetzt: ״Höret dieses, ihr Greise, und vernehmt es, alle Bewohner des Landes!“ — so fragt es sich, was hat er mit seiner sogenannten ersten Rede beabsichtigt? Zur Busse brauchte er, wie bewiesen, nicht zu ermahnen; als Aufforderung zur Gesinnungsänderung und innerlichen Besserung bei der Busse kann sie auch nicht gelten; sie enthält davon doch zu wenig, als dass man dieses Moment als Zweck derselben ansehen könnte. Eine poetische Schilderung der Plagen, welche allerdings den Hauptbestandtheil dieser Rede ausmacht, kann er noch weniger beabsichtigt haben. Denn es war nicht Sache der Propheten,־ sich in Schildereien zu ergehen; die Form war in ihrer Beredtsamkeit dem Wesen untergeordnet. Bei der Annahme einer Dichotomie der Reden gelangt man zur Consequenz, dass die erste Rede eigentlich ziellos und inhaltslos ist, gar nicht den Charakter einer prophetischen oratio hat, vielmehr dem dritten Kapitel Habakuks ähnelt; hier macht aber die

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