Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1873
- Date
- 1873-01-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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12 geschilderten hatte, wurde zur Zeit des Propheten Jeremia ein Bussgottesdienst veranstaltet (das. 14, 10—12, worüber weiter unten). Das erste Kapitel in Jesaia, wahrscheinlich zur Zeit des Königs Hiskija und der Invasion der Assyrer gesprochen, deutet an, dass damals ein öffentlicher Busstag gehalten wurde, über den der Prophet, weil die unsittliche Gesinnung und That damit grell contrastirten, als eitel und Gott zuwider ironisirt. Wir dürfen daher mit Recht fragen: Sollten bei der Heuschreckenverwüstung, die noch von anderen Unglücksfallen begleitet war — wie sich später zeigen wird — und längere Zeit anhielt, Volk und Priester nicht aus eigenem Antriebe öffentliche Trauer- und Bussakte begangen haben und mussten sie erst vom Propheten dazu aufgerüttelt worden sein? Es ist um so weniger denkbar, als die Schilderung Joels ausdrücklich hervorhebt: ״Entgangen ist Gabe und Weinopfer vom Tempel des Herrn, es trauern die Priester, die Diener des Herrn“ (I. 9). Diese Trauer der Priester wird wohl schwerlich eine stille gewesen sein, sondern ist als eine öffentliche im Tempel, an der Stätte der Priester, zu denken. Oder sollten die Priester in Folge des Elendes bereits so sehr in Stumpfheit versunken gewesen sein, dass sie sich nicht einmal zu Bussversammlungen hätten aufraffen können und erst vom Propheten dazu hätten aufgerüttelt werden müssen? Dann durfte in dem Aufrufe des Propheten zur Busse das Wort der Aufrüttelung und Ermannung (התעוררג ,עירו״) am wenigsten fehlen. Diese Gedankenreihe berechtigt zur Annahme, dass die erste Hälfte keineswegs zum Inhalte hatte, zur Busse, zur kräftigen Busse, aufzurufen. Die Imperativ-Yerse, welche dafür zu sprechen scheinen (I. 13-14; II. 1, 15—17) können nicht ernst gemeint sein, sondern nur die Bedeutung rhetorischer Tropen haben. Die prophetische Rhetorik liebt es bekanntlich, durch Imperativ-Sätze die Aufmerksamkeit zu spannen und den Eindruck zu erhöhen. So wenig der Auf-