Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1873
- Date
- 1873-01-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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4 bilden, oder ob jede derselben ein selbständiges Ganze ansmacht. Die Frage nach der Einheit oder Verschiedenheit beider Partien in der Joelscken Prophetie hat nicht bloss eine formelle Bedeutung, sondern übt auch Einfluss auf das Verständniss des Gedankenganges derselben und auf die Gliederung ihrer Redewendungen. Sollte es sich ergeben, dass die Partien einheitlich und zusammengehörig sind, d. h. dass der Prophet seine Rede in einem Zuge von Anfang bis ans Ende gehalten hat, was sich die folgende Untersuchung zur Aufgabe stellt, so dürfte sich dadurch auch die Zeitfrage bestimmter lösen lassen. Ehe wir an die Kritik der Ansicht von der Dichotomie des Buches herantreten, müssen wir, um dem Missverständnis zu begegnen, dieselbe definiren. Nach dieser Annahme habe Joel die von ihm erhaltene, uns vorliegende Rede nicht mit einem Male, sondern in zwei Absätzen gesprochen. Zwischen beiden sei eine Pause anzunehmen, die einen langem oder kürzern Zeitverlauf voraussetze. Ueber das Mass dieser Pause haben sich zwar die Vertreter dieser Ansicht nicht bestimmt ausgesprochen. Meier scheint eine längere Dauer derselben anzunehmen. ״Der zweite Theil beginnt mit der rein geschichtlichen Bemerkung, dass Gott sein Volk bereits erhört und1״ verschont habe. Bei dieser glücklichen Wendung redete der Prophet ohne Zweifel aufs Neue und wurde zu den begeisterten Hoffnungen hingerissen, wie sie dieser zweite Theil darstellt.“Nach Ewald seien beide Reden an einem und demselben Tage, nämlich am Tage eines vom Propheten veranstalteten Bussfestes, aber zu verschiedenen Tageszeiten gehalten worden, die zweite, ״nachdem ein reichlicher Regenguss“ sich eingestellt hatte. ״In diesem Buche stellt er (der Prophet) nun beide Reden, die vor und 1J E. Meier, Geschichte der poetischen National-Literatnr der Hebräer. S. 270 ff.