Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1872
- Date
- 1872-01-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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12 die Hagada in weitem Umfang sich geltend macht, so konnten dennoch derartige Exegesen hier nicht Platz finden. Die Paraphrase will den nach Form und Inhalt schwer verständlichen Text dem Yerständnisse näher bringen, Exegesen wie die gedachten wollen zeitliehe und örtliche Beziehungen liefern, die mit dem eigentlichen Yerständniss nicht in unmittelbarem Zusammenhang stehen und gleichweit fern von Paraphrase wie von Hagada sind. Dass wir in R. Joseph einen Targumisten und Exegeten finden, kann übrigens nach dem, was sonst von ihm berichtet wird, nicht befremden. Er war bekannt wegen seiner ausgebreiteten Gelehrsamkeit und es wurde ihm der Vorrang vor seinem an scharfsinniger Dialektik ihm überlegenen Collegen Rabba eingeräumt1). Darum zog er die Verdeutlichung der Schrift in den Kreis seiner Studien2). n. Versuchen wir nun auf das Wesen des Targums zu den Propheten und sein Verhältnis zum Text einzugehen. Jonathan — R. Joseph — tritt uns fast allenthalben als denkender Uebersetzer, wie wir ihn in Onkelos wahrnehmen, entgegen. Er gehet׳ mit den seiner Zeit zu Gebote stehenden sprachlichen Mitteln an den Text, lässt sich aber nicht von ihm blind beherrschen, sondern räumt dem Bestreben, ihn dem Leser verständlich zu machen, die Vorhand ein. In diesem Bestreben ging aber nicht selten der Wortsinn verloren: der Paraphrast verdrängte den Uebersetzer. Das Schwierige des Stoffes mit seinen Beziehungen zur Vergangenheit und den Verheissungen für die Zukunft scheint ihn einerseits zur Paraphrase veranlasst zu haben, sowie ihn von der anderen Seite die Anschauung seiner Zeit, der die Worte der Propheten nicht nur als vergangenen Tagen und Zuständen angehörend galten, sondern die in ihnen ein Bild der Gegenwart mit ihren Erlebnissen und bald sich zu erfüllenden Hoffnungen 1J Horajot 13. Er wird das. genannt Sinai (der die Lehre tragende Gottesberg Sinai). a) Tosafot Baba kama 3b will einen anderen Grund auffinden, verwirft ihn aber als nicht stichhaltig.