Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1872
- Date
- 1872-01-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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9 Uebersetzer (Redacteur) lebte? Gewiss vor dem 4. Jahrh.; denn der zu Anfang dieses Jahrhunderts lebende R. Joseph verfasste das Targum zu den Propheten und ihm war das Targum Onkelos bekannt (vgl. weiter). In Babylon erstand ein eigentlich Wissenschaftliches Streben sowie ein lebendiger gelehrter Verkehr mit Palästina erst unter dem zu Anfang des 3. Jahrh. lebenden Rab. Rab, ein geborener Babylonier, besuchte längere Zeit die palästinensischen Schulen, wurde bei seiner Zurückkehr der Schöpfer der Akademie zu Sura und wird als der eigentliche Begründer des Studiums in Babylon betrachtet. Rab mag auch die Kunde von der Uebersetzung Aquila’s und den sie begleitenden Umständen nach Babylon mitgebracht haben: dieses rief in einem seiner Schüler den Gedanken wach, eine vollständige aramäische Uebersetzung, die Babylon noch nicht besass, mit Zugrundelegung der alten stellenweisen Uebersetzung unter. Verschweigung seines Namens zu verfassen. Die Uebersetzung fand bald allgemeinen Eingang: und da man den Namen des Autors nicht kannte, ein עקילס als Uebersetzer durch Rab bekannt war, machte man ihn unter Umwandlung in אונקלוס zum Verfasser dieses Targums. Das Targum Onkelos gehört also dem 3. Jahrh. und einem Schüler Rabs an1). Onkelos wurde zu jeder Zeit hochgeschätzt. Schon im Talmud, wo nicht selten Stellen aus ihm unter dem Ausdruck מדמחרגמען oder ומתרגמינן angeführt werden, erscheint er als massgebend; die späteren Autoren wie Raschi, Maimonides, Nachmanides (Ramban) u. A. bis auf die neuere Zeit legten grossen Werth auf ihn2). Die Uebersetzung ist vernünftig wortgetreu, so dass in manchen Ausgaben die Neginot des Textes unter das Targum Onkelos gesetzt wurden 3): nur an manchen *) Bah. T. Megilla 3a bespricht R. Chija b. Abba das תרג1ס אונקלוס הגר: Dieser R. Chija lebte unter Diokletian in der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts (vgl. Einleitung in den jer. Talm. voc. ר' חייא בר אבא): es war also schon da das Targum Onkelös verbreitet. Allein derselbe B׳. Chija besagt jer. T. Megilla 1, 9 mit einer kleinen Variante dasselbe von עקילס הגר• Es scheint daher, dass die Späteren Redacteure hier אונקלום für עקילס gesetzt (wie man auch an anderen Stellen Aehnlichem begegnet. Vgl. Einleitung in die Mischna S. 101. Dort durch Abschreiber). 2) In neuester Zeit fand Onkelos einen trefflichen Bearbeiter in S. D. Luzzatto Philoxenos, Wien 1830. 3) Vgl. Winer de Onkeloso p. 8.