Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1872
- Date
- 1872-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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2 wie sie aufzufassen und auszuführen seien. DerZeit thaten Lehrer noth: die Aufgabe der Propheten, dem Volk den Monotheismus zumlebendigen Bewusstsein zu bringen, war erfüllt, es bedurfte jetzt Männer, die die Gesetze in ihrer Tiefe erfassend sie zum allgemeinen Yerständniss brachten. Diese Lehrer erstanden auch und sind bekannt unter dem Namen «Soferim» Schrifterklärer. Der erste dieser Soferim, der namhaft gemacht wird, war Esra, ihm folgten in einer langen Reihe von Jahren diesem Berufe obliegende Männer, die in ihrer Gesammtheit «die grosse Versammlung» (כנסת הגדולה Synagogamagna) genannt werden. Diese Schrifterklärer waren nicht Uebersetzer, sondern Verdeutliche!• des Gesetzes, das nun die Grundlage des neuen Staates wurde, gleichsam die Staatsverfassung, die Magna Charta, auf der der Staat sich aufbauete. Die Verdeutlichung und Auslegung des Gesetzes konnte daher nicht der Willkür des Einzelnen anheimgegeben werden, es scheinen die Hervorragenden jeder Zeit naeh getroffener Uebereinkunft die Erklärung festgestellt und sie dem Volke, wahrscheinlich an den Sabbaten, in den Synagogen und Lehrhäusern mitgetheilt zu haben 1). Aber die Schrift, hier im engeren Sinne der Pentateuch, hat neben den Gesetzen Historisches und allgemeine Lehren und Ermahnungen. Hier würde did Uebersetzung die Stelle der Erklärung vertreten haben. Es ist aber sehr zu bezweifeln, ob eine Uebersetzung noththat: die zurückkehrenden Exulanten hatten als Volkssprache die in Babylon gesprochene aramäische Sprache mitgebracht, die sich nun in Palästina einbürgerte, aramäisch und hebräisch sind aber Töchter eines Sprachstammes und nur im Dialekte und in manchen Ausdrücken verschieden. Und da die alte Zeit nicht den Begriff der Uebersetzung im heutigen Sinne, Uebertragung von einer Sprache in die andere als Kunstwerk kannte, so genügte die Uebersetzung schwer verständlicher Stellen des Originals. Es ist daher mit Recht anzunehmen, dass eine vollständige Uebersetzung des Pentateuchs in früher Zeit nicht vorhanden war: nur die schwierigeren nichtgesetzliehen Stellen wurden von kundigen Männern übersetzt, ohne dass es *) Ausführliches hierüber vgl. Frankel, Einleitung in die Mischna S. 8 £, woselbst .Ausführliches über die Wirksamkeit der Soferim.