Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1871
- Date
- 1871-01-01
- Page
- – (sequence 94)
- Language
- German
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91 wirklich das erwählte Volk wäre? — Israel soll lieber äussere Leiden dulden, dafür aber in seiner Seligkeit keinen Abbruch erleiden. Die äusseren, irdischen Leiden sühnen nämlich die unvermeidlichen Sünden der Menschen, dass diese geläutert und entsühnt das jenseitige Leben gewinnen.' Aber auch auf Erden tritt mit der Messiaszeit ein Zustand der Sündlosigkeit ein. Also ist das vorübergehende Leiden ein Mittel zu ewiger Beseligung1). 6. Nicht ewige Seligkeit, sondern irdische Wohlfahrt wird als Lohn der Frömmigkeit in der Tora darum hingestellt, weil die Seligkeit als deren nothwendige Folge selbstverständlich ist und keiner Yerheissung bedarf, die äussere Wohlfahrt aber schon deshalb betont werden muss, weil sie zugleich Mittel zur Erleichterung eines frommen Lebenswandels werden kann2). Ferner mussten den etwa Kleingläubigen Vergeltungen mehr greiflicher Art in Aussicht gestellt werden. B. Der dann folgende besondere Theil handelt zuerst von den dogmatischen Voraussetzungen der vorliegenden Schrift und enthält dann erst zum Schlüsse die eigentliche Einleitung. Dieser Theil setzt also die dazu gehörigen einzelnen Punkte auseinander. 1. Die gläubigen Voraussetzungen oder die Grundlehren (עיקרים) der Tora sind danach: a) die Ewigkeit Gottes, b) die Weltschöpfung durch Gott und die Welterhaltung nach dem Willen Gottes, c) die Allmacht Gottes, d) die Einheit Gottes, e) die Allwissenheit Gottes hinsichtlich der einzelnsten Handlungen der Menschen, f) die Vergeltung der menschlichen Handlungen, also auch der beseligende Lohn für den frommen Beobachter des göttlichen Gesetzes, 1l Angeknüpft an nachmanides, dessen Ansicht über eine zukünftige Seligkeit auf Erden nachweist perles in erankel’s Monatsschrift VII, 134. a) So schon nachmanides zu 2. Mos. 6, 2 u. sonst.