Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1871
- Date
- 1871-01-01
- Page
- – (sequence 65)
- Language
- German
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־ 62 der Güter zulässt, und zwar, um die Menschen zu erziehen, indem er die Mittellosen durch Noth und Leiden prüft und läutert, den Begüterten aber Gelegenheit giebt, ihres Herzens Güte zu bewähren und durch Opfer sich ein Verdienst zu erwerben, das ihnen Segen bringt1). e) Bei der Besprechung des letzten der zehn Bundesworte, welches das Begehren fremden Gutes untersagt, (5. Mos. 5, 18) heisst es: »Frage nicht verwundert: Wie? Liegt es denn in der Gewalt des Menschen, sein Herz von dem Verlangen nach köstlichen Schätzen, die er im Besitze eines Anderen sieht, fern zu halten, wenn er selbst gänzlich des äussern Besitzes ermangelt? Wie kann dem Menschen verboten werden, was er zu unterlassen ausser Stande ist? — Sprich nicht also! Denn es ist falsch* und nur arge Thoren und Sünder sagen dergleichen. Ln Gegentheil! Der Mensch hat es allerdings in seiner Gewalt, seine Gedanken und Gelüste zu regeln; es liegt in seiner Macht, sein Herz zu-und abzuwenden vermöge seines freien Willens. Der• Wille aber ist die eigentliche Wurzel und Grundlage unseres ganzen sittlichen Verhaltens. Und Gott kennt die geheimsten Gedanken, die verborgensten Regungen der Seele; die Lauterkeit oder Unlauterkeit des Begehrens unterliegt seinem Urtheile und seinem Gerichte2). f) Wie NACHM ANIDES und dessen hervorragende Schüler vielfach gethan, ist der Verf..bemüht, befremdende Aussprüche des Talmud von nicht gesetzlichem Inhalte, die also in das Gebiet der Agada gehören, vernünftig zu deuten. »Jeder Richter«, heisst es im Talmud (Schabbat 10a), »der einen ehrlichen Rechtshandel ehrlich entscheidet, ist gleichsam ein Theilnehmer an dem ehemaligen Werke der Weltschöpfung«. Richtig wird dieser Satz im Chinnuch dahin erläutert, die Thätigkeit des Richters, gewissenhaft geübt, trage wesentlich zur Herstellung und Erhaltung der sittlichen Welt, d. h. der menschlichen Gesittung und Gesellschaft bei3). — »Einem Jeden,« lautet ein talmudischer Satz, »wird von Gott genau nach Massgabe seiner Handlungen vergolten« (Mischna Sota 1, 7; Sank. 90a u. sonst). Man glaube, bemerkt Chinnuch, nur nicht — wie vielfach geschieht — dass ein Vorrath von Uebeln von Gott bereit gehalten werden, um im Falle menschlicher Verschuldung gegen den armen Sünder losgelassen und mit schonungsloser. Strenge ihm zugemessen zu werden. Wie .2 ,66 ף .1 ,424 ף 8) 442, 2 Schluss.