Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1871
- Date
- 1871-01-01
- Page
- – (sequence 60)
- Language
- German
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57 der zwar nach seiner eignen Erklärung »nickt heimisch in allen Ecken und Enden der halachischen Quellen« *) ist, aber doch als ein kenntnissreicher Mann sich erweist, nur aus einer gewissen Flüchtigkeit oder Gedächtnissschwäche erklären. Sie zeigen übrigens zur Genüge, dass Chinnuch nicht— wie hin und wieder geschehen ist — denjenigen gelehrten Schriften beizuzählen ist, welche für eine Fundgrube halachischer Entscheidungen gelten. — Auf den ungleichen Werth der Gründe, welche Chinnuch zu den einzelnen Gesetzen giebt, waren wir schon früher* 2) näher einzugehen veranlasst, weshalb hier nur darauf zu verweisen nöthig ist. — B. Was nun die Form betrifft, in welcher Chinnuch seine eigentliehe Aufgabe zu verwirklichen sucht, so ist vom Gesichtspunkte der hier allein massgebenden Zweckmässigkeit ein berechtigter Einwand kaum zu erheben. 1. Was für die Anlage des Werkes bestimmend gewesen, haben wir bereits früher3) klar zu machen versucht. Nun ist es allerdings möglich, dass der letzte Zweck der Schrift, die Lehre des Judenthums in fasslicher Weise darzulegen und die Jugend für dessen Wissenschaft empfänglich und geneigt zu machen, in einer anderen Gestalt noch besser hätte erreicht werden können. Derselbe Lehrstoff, hier künstlich eingezwängt und vertheilt in den Rahmen je eines der mühsam herausgezählten 613 Gesetze, dann durch die Sonderung in Gebote und Verbote noch mehr zersplittert, mochte natürlicher und wirksamer in freier sachgemässer Gruppirung mitzutheilen gewesen sein, ohne die gewählte Reihenfolge der Wochenabschnitte damit aufzugeben, da die ohnehin angewendeten Vor- und Rückweisungen die erforderliche Aushülfe gewähren konnten. Warum, lässt sich hinzufügen, die peinliche Beschränkung auf die von MAIMONIDES angegebenen Gesetze, da, wie die abweichenden Zählungen ergeben, noch manche andere Aussprüche des Pentateuch als religiöse Anforderungen an den Willen anzusehen sind? Warum ist dann nicht ein jeder Satz, der eine Zumuthung von bleibender Bedeutung enthält, auch x) Stelle des Vorwortes (אגרת)• 2) Oben Abschnitt II, Kap. 2. 3) Oben Abschnitt I.