Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1871
- Date
- 1871-01-01
- Page
- – (sequence 53)
- Language
- German
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50 fädm. Teßlin u. dgl. fern bleiben, die Kegel der Mischna1) aber,' wonach sie von jeder an eine Zeit gebundenen Thätigkeit befreit sind, im Einzelnen viele Ausnahmen erleidet, — da ferner manche Vor- Schriften nur dem Priestergeschlechte oder dem Stamme der Leviten, die übrigen dem ganzen Israel gelten u. s. w. Zu noch grösserer Sicherheit fasst MAIMOMDES am Schlüsse der Gebote diese Unterschiede noch einmal übersichtlich zusammen. Chinnueh hingegen, getreu seiner Bestimmung für die Jugend und nicht gerade gelehrte Leser, begnügt sich mit diesem Verfahren nicht. Nachdem gegen Schluss der Einleitung (הקרמה) auf das Vorhandensein solcher Unterschiede lediglich aufmerksam gemacht worden, giebt der vierte Abschnitt bei den einzelnen Gesetzen genau den Umfang ihrer Geltung an, und wird nur bei solchen, die Nichts als eine andere Form oder eine andere Seite einer sonst schon erörterten Vorschrift enthalten, entweder auf diese verwiesen2) oder deren Beachtung stillschweigend vorausgesetzt3). Bei diesem Theile der Arbeit zeigt sich nicht minder der achtunggebietende Ernst, von dem die Schrift ist eingegeben worden. Da nämlich über die dauernde Geltung der biblischen Gesetze einmal zu reden war, so führte das Bestreben, auf jede Weise belehrend und veredelnd zu wirken, den frommen Verfasser dahin, eine Art homiletischen Verfahrens bei gegebenem Anlass eintreten zu lassen, indem er die biblischen Vorschriften benutzt, um verwandte religiös-sittliche Gegenstände zur Sprache zu bringen oder zu zeigen, wie ein im eigentlichen Sinne nicht mehr anwendbares Gesetz dem Geiste nach in verwandten Verhältnissen zur Norm dienen müsse. So lehrt er bei Besprechung der dem Israeliten gebotenen Liebeswerke (5. Mos.11— 7 ,15 ־ u. sonst), es sei ein Irrthum, als Ziel derselben sich lediglich den armen, darbenden Mitmenschen zu denken; komme doch selbst der sehr Begüterte zuweilen in augenblickliche Bedrängniss, in welcher schleunige Hülfe durch Gabe und Darlehn oder persönliche Leistung ihn allein retten kann. Doch die wahre Wohlthätigkeit beschränke sich überhaupt nicht in ihren Mitteln oder in ihrem Umfange. Ob es Geld, ob 1l Kidduschin 1, 7. 2) Z. B. 12, 4. 64. 130. 214—216. 3) S. oben S. 9 Anm. 5.