Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1871
- Date
- 1871-01-01
- Page
- – (sequence 42)
- Language
- German
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39 im Stände, dem biblischen Worte einfach zu folgen, da er den Sinn der Gesetze nicht nach den Ergebnissen einer ungebundenen Exegese, sondern nach der praktisch gültigen halachischen Auffassung aufstellen musste* 1), wodurch mitunter seine Aufgabe erschwert wurde und er nur eine gezwungene Begründung geben konnte, während das Gesetz nach seinem Wortlaute keine Schwierigkeit in dieser Hinsicht geboten hätte2). B. Bei aller Trefflichkeit der Gründe vermisst man zuweilen gerade den Kern- und Hauptgedanken, aus welchem die angegebenen erst herzuleiten oder an welchen sie als eine besondere Seite anzuschliessen wären. , So werden bei dem Verbote der Untreue in der Ehe (2. Mos. 20,14)mehrere zum Theil recht gute Bemerkungen angeführt3); in ihnen liegt gleichsam eingehüllt das Wesentliche, dessen scharfe und bestimmte Angabe man ungern vermisst, dass die Ehe nämlich ein unverletzliches Lebensbündniss sei (Maleachi 2, 14), dessen treue Wahrung allein häusliches Glück und sittliche Eamilienordnung verbürge. — Bei den liebreichen Anordnungen des Gesetzes zu Gunsten des hebräischen Knechtes (2. Mos. 21, 2 ff. und sonst) wird zwar die dem Herrn zugemuthete Humanität, nicht aber der beabsichtigte Schutz der persönlichen Freiheit hervorgehoben4). C. Bestimmter tritt dieser Mangel zuweilen hervor als Verwechselung von Grund und Folge. Zwar ist nichts dagegen einzuwenden, wenn neben dem eigentlichen Grunde d. h. neben der Ursache, welche eben das gesetzlich vorgezeichnete Verhalten als sittlich nothwendige Wirkung erscheinen lässt, oder dem Zwecke, der durch dasselbe erreicht werden soll, auch die heilsamen Folgen namhaft gemacht werden, die durch die Befolgung des Gesetzes von Ghinnuch erst zum Schlüsse nebenher folgt in den Worten: כי יש בזה זכות Dl 'וכבוד ובו (in ßd. Amst. fehlt an dieser Stelle eine ganze Zeile). — 285, 2 zu 3. Mos. 23, 40 bleibt der Schlusssatz dieser Bibelstelle trotz der schon von maimonides (More III, 43) im Ganzen richtig gegebenen Deutung unbeachtet und wird ein eigner nicht sehr glücklich gewählter Weg eingeschlagen, zum Theil auch der bekannte Midrasch: 'אתרוג לומה ללב וכן (Wyjikra räbba 30) ausgeführt. 1I S. oben S. 18. 2) Als Beispiel diene 582, 2 zu 5. Mos. 23, 16. 8) 35, 2. 4) 42, 2.