Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1871
- Date
- 1871-01-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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11 punkte, und während seine Vorgänger in rein wissenschaftlichem Interesse die Gesetze bearbeitet hatten, richtete er sein Augenmerk auf die Jugend und das ungelehrte Publikum. Wir werden Gelegenheit finden, die verschiedenen Folgen dieser Tendenz an ihrem Orte kennen zu lernen; hier wollen wir auf eine Abweichung von seinem Vorbilde MAIMONIDES aufmerksam machen, welche anscheinend ein Rückschritt war und in der That manche Unbequemlichkeiten zur Folge hatte, sich aber eben durch die Rücksicht auf seinen Leserkreis besonders empfahl. Was nämlich den Arbeiten des MAIMONIDES den grössten Werth und Reiz verleiht, ist dessen bekannte Meisterschaft, den in seiner Mannigfaltigkeit unübersehbaren, das Gedächtniss leicht verwirrenden Gedankenstoff einheitlich zu gruppiren und in systematischer Folge zu entwickeln, indem so durch das Licht der aufgestellten Grundgedanken die kleinsten Einzelheiten erhellt und hervorgehoben werden. Allein die systematische Darstellung gilt und nützt nur auf derjenigen Stufe des Denkens, welche das Viele und Verschiedenartige als ein geschlossenes Ganzes aufzufassen im Stande ist. Eine solche Reife kommt der Jugend, kommt gewöhnlichen Lesern nicht zu; für sie ist es leichter und zweckmässiger, das Einzelne, Greifliche, an Bekanntes Anknüpfende zu verstehen und sich anzueignen, um es später im Zusammenhänge neu und tiefer zu erkennen. Daher fand es der Verfasser unseres Buches geboten, die verlockenden Bahnen, welche jener von ihm hochverehrte Meister gezogen, unberührt zu lassen und in der Darstellung seines Stoffes zu derjenigen Reihenfolge zurückzukehren, welche den grossen Vorzug besass, seinen Lesern bekannt und geläufig zu sein oder in kurzen Zeiträumen immer wieder ins Gedächtniss gerufen zu werden. Das aber ist diejenige Ordnung, welcher die Gesetze im Pentateuch folgen. Im Anschlüsse an die herrschende Sitte, dieselben in ungefähr so viele Abschnitte zu theilen, als das längste jüdische Kalenderjahr Wochen hat, um sie so an den einzelnen Sabbaten beim Gottesdienste vorzulesen und im Laufe jedes Jahres zu vollenden1), stellte der Verfasser die Gesetze, welche 1l Neben dem vorherrschenden einjährigen Cyclus der Sabbat-Vorlesnngen kennt der Verfasser vom Hörensagen auch einen zwei- und dreijährigem 557, 3: