Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1871
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 2 (sequence 6)
- Language
- German
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a darin so fruchtbaren deutschen in der Gegenwart nachstehen: an liebevoller Hingebung, an herzgewinnender Wärme, an heiligem Emst steht sie hinter derselben zum mindesten nicht zurück. Wenn aber ein der Jugend gewidmetes Buch darin sich vorteilhaft auszeichnet, so ist es das Sefer hachinnncli, das Buch der Vorbereitung und Anleitung, welches wir hier einer näheren Untersuchung unterziehen wollen. Der Name geht von dem .biblischen Spruche aus: »Leite den Knaben an heim Beginne seines Weges«x) — dem Spruche, der gleichsam die Losung in den friedlichen Zelten Israels war, über dessen unverbrüchliche Geltung ein stillschweigendes Einverständnis herrschte. Denn die Anbahnung einer geläuterten Lebensanschauung, die Erweckung edlen Gefühles und frühzeitige Gewöhnung zu gottgefälliger Handlungsweise (חינוך) wurde als die unerlässliche Aufgabe jüdischer Erziehung angesehen* 2). Hiefür Eltern und Lehrern ein Hülfsmittel zu sein, ist der ausgesprochene Hauptzweck des in jüdischen Kreisen ziemlich verbreiteten und beliebten Buches. Da indessen dieses Buch durch den ßeichthum gelehrten Materials zuweilen die Grenzen seiner eigentlichen Aufgabe zu überschreiten scheint, so ist es nicht selten einer falschen Beurtheilung und• zwar nach zwei entgegengesetzten Richtungen änheimgefallen. Indem die populäre und pädagogische Tendenz übersehen wurde, legte man daran den Massstab einer selbständigen wissenschaftlichen Leistung. Schärfer zusehende Leser vermissten dann in ihm die mit Unrecht geforderte Originalität, vermissten die Sicherheit und überzeugende Kraft abschliessender Forschung, und so ward das Buch unterschätzt. Andere, mitunter sehr gelehrte Leser legten seinen Aeusserungen und Mittlieilungen die Bedeutung einer massgebenden Autorität bei, welche der Yerfasser selbst nachdrücklich ablehnt. Diese UeberSchätzung hatte zum Theil ihren Grund in der Nichtbeachtung der Quellen, auf welche der Inhalt des Buches zurückzuführen ist, namentlich aber in der von Manchen gar nicht bezweifelten Annahme, dass ein anderweitig als talmudische Autorität in hohem Ansehen stehender Mann, x) Spr. 22, 6:חנוך לנער על פי דרכן• 2) Vgl. z. B. Joma 82a. 1*