Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1871
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 1 (sequence 5)
- Language
- German
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2 tinserem besseren Selbst steben und deshalb leicht fasslich und lehrbar sind, dass sich Gedanke und Wort, Herz und Mund sittlich ernster Menschen ihnen nahe und verwandt fühlen, ihnen gern und fügsam anschliessen1). — Und so ging denn zu allen Zeiten mit der tiefem Erforschung und wissenschaftlichen Behandlung der in dem Bibelwort niedergelegten oder vorausgesetzten Gedanken und Grundsätze Hand in Hand die Allen zugängliche, an Verstand und Gemüth eines Jeden unmittelbar sich wendende Belehrung und Ermahnung — unausgesetzt bestrebt, die nur der Minderzahl der höher Begabten beschiedenen, aus der Tiefe emporgeförderten edlen Barren der Erkenntniss gleichsam in kleine, gangbare, für den allgemeinen Gebrauch geeignete Münze umzüsetzen. So wurde es bewirkt, dass das dem ganzen Volke zugedächte Gut einer höheren Einsicht und Gesinnung nicht auf den engen Kreis weniger Auserwählten beschränkt blieb, sondern zum wirklichen Gemeingut Aller ohne Unterschied ward. Eine besondere Berücksichtigung musste bei der Erfüllung dieser Aufgabe die zur Theilnahme am Gesammtleben heranreifende Jugend finden, wenn das mühsam errungene und glücklich erhaltene geistige Besitzthum nicht verloren gehen, sondern ein liebreich gehegtes Erbe der auf einander folgenden Geschlechter bleiben sollte. Es ist bekannt, mit welchem Nachdrucke das weise Gesetz die Väter in Israel wiederholentlich ermahnt, ihren Kindern die Lehre der Wahrheit tief einzuprägen und die Thaten Gottes wie die Summe ihrer Verpflichtungen bei jeder Gelegenheit vorzuhalten2). B!ei der feierlichen Verlesung des Gottesbuches im Heiligthume sollten nach dem bekannten mosaischen Gesetze3) »Männer und Frauen und Kinder« zugegen sein, »auf dass sie hören und lernen«. Und auch dieser Aufgabe .der Jugenderziehung ist von jeher durch Wort und Schrift genügt worden. Ein Buch der Bibel — die Sprüche (־— (משלי verdankt dieser mit Liebe ausgeübten Thätigkeit seinen Ursprung; ihm reiht aus späterer Zeit das Buch Sirach seiner Tendenz nach sich an. An Fülle und Mannigfaltigkeit der Jugendschriften mag die jüdische Literatur der i) 5. Mös. 30, 11 ff. *) 2 Mos. 12, 26; 13, 8. 14 f.; 5. Mos. 6, 20 ffi 3) 5. Mos. 31, 10 ff